#1 Sonderfolge FortiBleed – Der Fall der geleakten Firewall-Zugänge
Shownotes
In dieser Sonderfolge sprechen wir über FortiBleed und die Risiken rund um kompromittierte Firewall- und VPN-Zugangsdaten.
Themen dieser Folge:
- Warum Firewalls und VPNs für Unternehmen besonders kritische Systeme sind
- Was FortiBleed von einem klassischen Zero-Day-Fall unterscheidet
- Warum gültige Zugangsdaten für Angreifer so wertvoll sind
- Was Credential-Harvesting, Brute-Force und Credential-Stuffing bedeuten
- Welche Rolle fehlende MFA und schwache Passwort-Hygiene spielen
- Warum ein Passwortwechsel allein nach einem möglichen Vorfall nicht immer reicht
- Wie Initial Access Broker gestohlene Zugänge weiterverwerten können
- Welche Risiken für Unternehmen entstehen: Datendiebstahl, Seitwärtsbewegung, Vorbereitung von Ransomware und unbemerkter Zugriff
- Welche Sofortmaßnahmen Unternehmen, IT-Abteilungen und Führungskräfte prüfen sollten
Wichtige Einordnung Diese Folge ist eine Sonderfolge zu einem aktuellen Cybercrime-Komplex. Sie ersetzt keine technische Einzelfallprüfung und erhebt keinen Anspruch darauf, jeden betroffenen Fall abschließend zu bewerten. Ziel ist es, verständlich zu erklären, warum kompromittierte VPN- und Firewall-Zugänge ein ernstzunehmendes Risiko für Unternehmen darstellen.
Hacker Diaries – wahre Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität, IT-Sicherheit und digitaler Risiken.
Produziert von Nikolaus Stapels.
Transkript anzeigen
00:00:00: Dieser Podcast wurde inhaltlich von Nikolaus Stapels zusammengestellt.
00:00:04: In dieser Reihe erzählen wir wahre Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität, der IT-Sicherheit und digitaler Risiken.
00:00:12: Normalerweise geht es um abgeschlossene True-Cybercrime Fälle – heute machen wie eine Sonderfolge zu einem aktuellen Fall, den noch nicht vollständig aufgearbeitet ist aber bereits zeigt, wie gefährlich gestohlene VPN & Firewall Zugangsdaten für Unternehmen werden können!
00:00:30: Und ich bin Nico.
00:00:31: Also, stell dir mal vor so ein globales Unternehmen investiert wirklich Millionen in die modernsten teuersten IT-Sicherheitssysteme der Welt.
00:00:40: Die ziehen also gigantische digitale Festungsmauern hoch beschäftigen riesige Teams von Administratoren und dann... naja?
00:00:48: Dann stellt sich plötzlich heraus dass Angreifer diese dicke Mauer überhaupt nicht durchbrechen mussten
00:00:55: weil sie den Schlüsse hatten.
00:00:56: Ne, die Raum.
00:00:57: Ein Forteinach automatisierte Verbrick genutzt um das Passwort vom Edmund zu erraten sind gemütlich zur Vordertür spaziert und haben aufgeschlossen.
00:01:07: Ja und das ist kein theoretisches Szenario.
00:01:09: genau das passiert gerade weltweit in einer gigantischen Kampagne Die unter dem Namen Forty Bleed bekannt geworden ist.
00:01:16: Richtig!
00:01:17: Und deshalb machen wir diesen Deep Dive heute auch ein bisschen anders.
00:01:20: Wir analysieren hier keinen kalten Tatort.
00:01:23: wir blicken quasi direkt in den Maschinenraum eine Operation, die genau in diesem Moment noch läuft.
00:01:29: Was die Sache ja auch so unglaublich brisant macht finde ich.
00:01:32: Also es geht hier um ... Die Umkehrung von einem ganz grundlegenden Vertrauen weißt du?
00:01:36: Wenn Unternehmen über Netzwerksicherheit nachdenken dann sind diese Firewalls und VPN Gateways für die eigentlich der ultimative Schutzschild.
00:01:44: Ja das ist die Festungsmauer.
00:01:46: Exakt!
00:01:47: Eine Fortigate Firewall von Fortinet also einem der größten Hersteller der Welt steht ja buchstäblich genau an der Grenze.
00:01:56: Auf der einen Seite das wilde, unsichere Internet auf der anderen das geschützte Firmennetz.
00:02:01: Und das VPN also das Virtual Private Netzwerk?
00:02:05: Das ist dann sozusagen die Zugbrücke
00:02:08: Genau!
00:02:08: Die exklusive Brücke über die die Mitarbeiter sicher aus dem Homeoffice ins Internet kommen.
00:02:14: und das psychologische Problem ist halt wenn du als Firma da Millionen reinsteckst Dann vertraust du diesem System blind.
00:02:21: Du denkst dass es unüberwindbar
00:02:25: reißt genau diese Illusion komplett ein, weil eben exakt dieser Schutzschild jetzt zur Eintrittskarte wird.
00:02:32: Die Kriminellen hebeln das System nicht von innen aus sondern die übernehmen einfach die Identität von dem Wächteramtur.
00:02:39: und um diese Dienensionen aus unseren Quellen mal greifbar zu machen Forscher haben da einen Datensatz gefunden, der um fast bis zu halte dich fest.
00:02:55: Sockrader sagt, das betrifft etwa fünfzig Prozent aller internetfähigen Forti-Gate-Geräte weltweit.
00:03:01: Fünfzig
00:03:02: Prozent?
00:03:02: Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!
00:03:05: Wir sprechen hier von globalen Konzernen, von Regierungsbehörden, Telekommunikationsanbietern... Ja,
00:03:10: das ist heftig.
00:03:11: Und der kritische Punkt an dem das alles ansetzt, sind die sogenannten Managementoberflächen.
00:03:16: Das sind halt die administrativen Kontrollzentren dieser Firewalls.
00:03:20: Und eigentlich korrigier mich, wenn ich falsch liege lautet die goldene Regel doch dass solche Admin-Oberflächen niemals offen aus dem Internet erreichbar sein dürfen oder?
00:03:29: Absolut!
00:03:30: Die müssen intern verborgen bleiben.
00:03:32: aber die Realität sieht leider oft anders aus.
00:03:34: Aber gut wenn fünfzig Prozent der weltweiten Geräte betroffen sind Da muss ich jetzt direkt mal kritisch eingeretschen.
00:03:40: Das schreien die nackten Zahlen doch förmlich danach, dass Fortinet selbst gehäckt wurde oder?
00:03:46: Also gibt es da eine geheime Hintertür?
00:03:48: Ja das ist natürlich der erste intuitive Gedanke den Superviele haben.
00:03:52: aber die technischen Fakten zeigen da wirklich ein komplett anderes Bild.
00:03:56: also wir müssen das ganz klar sagen Fortinet wurde nach aktuellem Stand nicht
00:04:01: gehackt.
00:04:02: Forti
00:04:02: Bleed is auch keine klassische brandneue Zero Day Lücke im Code.
00:04:07: Was wir hier eigentlich beobachten ist und das ist fast noch gruseliger, die absolute Industrialisierung von Passwortdiebstahl.
00:04:15: Also kein genialer Hacker in einem dunklen Hoodie der sich durch die Firewall codet?
00:04:20: Ein überhaupt nicht!
00:04:21: Die Angreifer nutzen sogenanntes Credential Harvesting.
00:04:25: Das ist quasi dass massenhafte Ernten von Zugangsdaten aber auf einem völlig neuen globalen Level Und ihr machen das mit einer extremen Hartnickigkeit.
00:04:35: Die probieren also einfach massenhaft Zugänge aus?
00:04:39: Laut den Quellen, die wir hier haben gab es allein gegen FortiGate-Systeme.
00:04:43: Eins Komma Eins Sechs Milliarden Zugriffsversucher.
00:04:46: Milliarden!
00:04:47: Ja
00:04:48: das ist Rohrgewalt
00:04:49: Und das machen sie ja nicht händisch... ...die füttern ihre Systeme mit riesigen Listen aus alten Datenleaks.
00:04:55: Richtig Das ist doch dieses viel zitierte Credential
00:04:58: Stuffing.
00:04:59: Ganz genau Beim Credential Stuffing nehmen die Kriminellen Milliarden von Benutzernamen und Passwörtern, die vielleicht vor Jahren bei ganz anderen Vorfällen erbeutet wurden.
00:05:08: Irgendein
00:05:09: gehackter Online-Shop oder ein altes Fitnessforum?
00:05:12: Genau!
00:05:12: Und diese riesigen Listen werden dann vollautomatisiert gegen die VPNen und Adminzugänge der Unternehmen gefeuert – und weil erstaunlich viele Menschen leider auch Administratoren ihre Passwürter für verschiedene Dinge wiederverwenden
00:05:25: ist die Trefferquote katastrophal hoch.
00:05:28: Exakt.
00:05:29: Und dann kommen ja auch noch Infostealer dazu.
00:05:32: Das ist so Malware, die sitzt ganz still auf dem Rechner von einem Mitarbeiter, wartet einfach ab bis der sich irgendwo einloggt und greift an die Session Tokens oder Passwörter direkt aus dem Browser
00:05:42: ab... ...und schickt sie an die Hacker!
00:05:44: Genau – meistens über so einen Telegram-Bott….
00:05:47: Aber wenn ich jetzt IT verantwortliche bin?
00:05:50: Und ich höre das
00:05:51: hier?!
00:05:52: Und ich denke mir ….
00:05:53: Ich mache meine Hausaufgaben, spiele jeden Patch sofort ein, mein System ist aktuell Dann müsste ich doch eigentlich sicher sein.
00:06:01: Fortinet hat doch in neueren Versionen diese Passwort-Speicherung sicherer gemacht, warum fallen dann trotzdem so viele vollgepatchte Systeme in dieses Schleppnetz?
00:06:12: Ah das bringt uns zu einem der wirklich faszinierendsten und fiesesten Probleme bei dieser Kampagne dem sogenannten Patch Paradoxern.
00:06:21: Okay!
00:06:22: Stell dir das mal so vor.
00:06:24: eine Bank merkt dass ihre Schlösser nicht mehr sicher sind und tauscht die komplett aus.
00:06:30: Aber sie zwingen ihre Wachleute nicht, die alten unsicheren Generalschlüssel abzugeben!
00:06:35: Sie sagen einfach behaltet den alten Schlüssel bis ihr das nächste Mal physisch zur Schicht kommt... ...und es dann bekommt ihr den neuen.
00:06:42: Ehe two-five-six Verfahren als Hash gespeichert?
00:06:45: Jetzt nutzen sie das vielsicherere PBKDF zwei Verfahren.
00:06:48: Also ein Hash ist ja vereinfacht gesagt dieser mathematische Fingerabdruck von einem Passwort.
00:06:53: Richtig?!
00:06:54: Genau
00:06:54: Das System speichert dein Passwort nie im Klartext.
00:06:57: Aber das Problem ist, ein Software Update kann diesen alten Hash nicht magisch in das neue sichere Format umrechnen.
00:07:03: Weil das System das Passwort ja nicht im Klartext kennt!
00:07:06: Richtig – Das System muss zwingend darauf warten dass der Admin seine Passwort bei der nächsten Anmeldung einmal aktiv eintippt.
00:07:16: Nur in dieser einen Millisekunde hat das System den Klartex-Passwort und kann den neuen starken Hash generieren.
00:07:23: Wow Das heißt, wenn ich als Admin die Firewall auf den neuste Version update aber mich danach nie aktiv neu anmelde dann bleibt mein alter schwacher Hash einfach in der Konfigurationsdatei gespeichert.
00:07:35: Exakt!
00:07:36: Das ist die Achilles-Ferse und in der Vergangenheit gab es eben Sicherheitslücken zum Beispiel diese CVE-.
00:07:47: Die haben
00:07:52: sich also die Baupläne der Bank, inklusive der alten Schlüsse geholt.
00:07:56: Ja!
00:07:57: Und weil diese Hashes dann offline auf den Servern der Angreifer lagen konnten sie in aller Ruhe geknackt werden.
00:08:03: Da schlägt ja auch keine Firewall-Alarmglocke an wenn das bei denen im Keller auf dem Server passiert.
00:08:08: Da bringt mir dann auch mein super komplexes Passwort mit vierzig Sonderzeichen absolut gar nichts, wenn dieser alte mathematische Fingerabdruck in einem League auftaucht oder durch so ein Export Offline geknacked wird.
00:08:19: Richtig Wenn der Hash kompromittiert ist und das Verfahren veraltet war, spielt die Passwortlänge irgendwann keine Rolle mehr.
00:08:26: Vor allem wenn Rohr-Rechengewalt ins Spiel kommt!
00:08:29: Wobei wir da direkt bei der nächsten großen Frage sind – wer hat denn bitte schön diese Ressourcen?
00:08:34: Also eins Komma Eins Sechs Milliarden Anmeldeversuche, das Scannen vom halben Internet… Das ist ja kein Hobbyprojekt von Passkriptkiddies!
00:08:41: Nee absolut nicht... Wir betreten hier den Markt der sogenannten Initial Access Broker Kurz IABs.
00:08:48: Erkläsch mal kurz, was die genau machen?
00:08:50: Also diese IAB's sind heute eigentlich das Rückgrat der ganzen Cybercrime-Wirtschaft.
00:08:54: Das ist extrem arbeitsteilig geworden!
00:08:57: Früher hat eine Gruppe ein Netzwerk gehackt sich umgeschaut und dann selbst verschlüsselt.
00:09:02: Heute machen IAB'S nichts anderes als verschlossene Türen zu finden.
00:09:06: Okay... Die schließen die auf gucken kurz rein ob etwas wertvolles drin ist Und dann verkaufen sie diesen Zugang im Darknet weiter.
00:09:13: Die lagern das Risiko für die Erpressung oder den Datendiebstahl an andere Gruppen aus.
00:09:18: Das ist ja wie so ein illegales Franchise-System.
00:09:21: Unsere Quellen weisen bei Forty Bleed auf einer russischsprachige Gruppe hin, die unter anderem in diesem Untergrundforum Exploit unterwegs ist – möglicherweise unter dem Namen Santa Art.
00:09:32: Ja, die Namen wechseln da auch mal!
00:09:34: Aber wenn man sich das mal vorstellt, diese Verkaufsangebote im Darknet sind ja richtig katalogisiert.
00:09:40: Die schreiben dann nicht einfach.
00:09:41: hey ich habe hier einen Eck.
00:09:42: die schreiben Zugang zu einem Telekommunikationsunternehmen in Deutschland atmen Rechte Jahresumsatz fünfhundert Millionen Euro.
00:09:48: Preis fünf tausend Dollar.
00:09:49: Das ist erschrecken professionell und die Infrastruktur dahinter erst recht.
00:09:54: Sicherheitsforscher wie Bob Diachenco oder das Team von Spy Cloud haben nämlich Teile von deren Infrastruktur offene im Netz gefunden.
00:10:02: Die haben gewissermaßen ihr eigenes Fabriktor aufgelassen.
00:10:06: Und was genau hat man da gefunden?
00:10:08: Naja, um diese alten Ascher-Zwei-Fünf-Sechs-Hashes offline zu knacken, haben die einen Cluster aus fortyfünf Hochleistungsgrafikarten betrieben – fortyfünftig Stück!
00:10:18: Gesteuert über ein Tool namens Hashtopolis.
00:10:21: Das ist eine industrielle Dschiffrieranlage.
00:10:24: Kass
00:10:24: und die arbeiten ja nicht nur mit Rohrgewalt.
00:10:27: Die Dokumente zeigen auch dass künstliche Intelligenz da mittlerweile ein riesiges Thema ist Und wir werden hier nicht von ChatGPT das den mal kurz eine Fishing-Mail auf Deutsch übersetzt.
00:10:37: Oh nein, das geht viel tiefer!
00:10:39: Die Forscher haben herausgefunden dass diese Broker KI gestützte Code-Editoren wie Cursor nutzen um ihre eigenen Hacking Skripte rasant weiterzuentwickeln oder?
00:10:49: Ja
00:10:50: und besonders besorgniserregend finde ich da den Einsatz von sogenannten Agenten Frameworks in diesem Fall ein Tour namens Cyber Strike.
00:10:57: Was
00:10:57: genau ist da der Unterschied zu einem normalen Skripton?
00:11:01: Ein klassisches Skript ist eigentlich dumm.
00:11:03: Das läuft sturr von Schritt A nach Schritt B, wenn sich im Zielnetzwerk an Ordnabfahrt ändert oder ein Port plötzlich zu ist dann stützt das Skrift einfach ab.
00:11:11: Und einen KI-Agent?
00:11:12: Einen KI-Agent schaut sich quasi im Netzwerk um der analysiert die Umgebung und entscheidet autonom was der nächste Schritt ist.
00:11:20: Der liest Fehlermeldungen passt seine Taktik an und greift selbstständig zum nächsten Werkzeug.
00:11:26: Die Broker lassen Netzwerke völlig automatisiert ausforschen, ohne dass dann noch ein Mensch vor dem Bildschirm sitzen muss.
00:11:32: Ganz genau!
00:11:34: Und dieses gigantische Schleppnetz beschränkt sich ja auch nicht nur auf Fortinet – die Server-Protokolle von den Kriminellen zeigen das die parallel hunderttausende Systeme von Sophos, Speichergeräte von Synology und massenhaft Microsoft SQL Datenbanken gescannt haben….
00:11:49: …die rütteln einfach pausenlos an jeder Tür im Internet.
00:11:53: wenn der Broker den funktionierenden VPN-Zugang verkauft hat und sich der Käufer meineswegen so eine Ransomwarebänder einloggt.
00:12:03: Dann beginnt für die IT-Admins des Unternehmens doch der absolute Albtraum, denn das tückische ist ja – Ein gültiger Login ist wie ein unsichtbarer Feind!
00:12:13: Absolut.
00:12:13: Das ist der Moment wo deine ganzen normalen Abwehrmechanismen plötzlich komplett blind sind Weil
00:12:18: kein Virenscanner anschlägt, wenn jemand das echte Passwort vom Atmen nutzt.
00:12:23: Da ist ja keine bösartige Datei die man in Quarantäne stecken könnte!
00:12:27: Für das System sieht es einfach so aus als würde der IT-Leiter am Sonntagabend aus dem Homeoffice arbeiten.
00:12:32: Ja und ab diesem Punkt beginnt das was wir Forensika lateral movement nennen – also die Seitwärtsbewegung im Netzwerk.
00:12:40: Die Angreifer bleiben mir nicht an der Firewall stehen….
00:12:42: …die wollen an die Chronio wählen?
00:12:44: Genau.
00:12:44: Und das ist meistens das Active Directory oder LDAP.
00:12:48: Das sind diese zentralen Verzeichnestdienste, wo alle Benutzerrechte verwaltet werden.
00:12:52: Und an der Stelle fällt auf den Begriff Kerberos-Tickets.
00:12:56: Oh ja lass uns das mal kurz entpacken!
00:12:59: Was genau stehlen die dabei?
00:13:02: Stell dir Kerberus wie das Einlasssystem auf einem exklusiven Festival vor.
00:13:06: Okay
00:13:07: Wenn du am Haupttor ankommst zeigst du dein Ticket und deinen Ausweis.
00:13:11: Das ist ein normaler Login.
00:13:13: Das System checkt es und legt ihr dann so einen nicht fälschbaren VIP-Bändchen um.
00:13:17: Das ist das Kerberos-Ticket.
00:13:19: Ah, und mit diesem VIP-Bändchen muss ich dann nicht an jedem Getränkestand oder vom Backstagebereich nochmal mein Ausweis zeigen?
00:13:26: Genau!
00:13:27: Jeder sieht das Bändchen und weiß okay die Person ist legitimiert.
00:13:31: Wenn Angreifter es jetzt schaffen tief ins Netzwerk vorzudringen und sich solche Kerberostickets zu generieren oder zu stehlen
00:13:37: Dann haben sie das goldene VIP-bändchen für das gesamte Firmenetz.
00:13:41: Ja Die bewegen sich lautlos von Server zu Server ohne je wieder ein Passwort eingeben zu müssen.
00:13:48: Die weiten ihre Macht einfach komplett unbemerkt aus.
00:13:52: Und die Auswirkungen sind ja verheerend, auch wenn bei so einer laufenden Kampagne wie Forty blieht natürlich nicht jedes Opfer direkt an die Öffentlichkeit geht.
00:14:00: man muss da vorsichtig sein wer wirklich verschlüsselt wurde und wer nur kompromitiert ist.
00:14:05: aber die Quellen belegen ja Einzelfälle mit extremer Fallhöhe.
00:14:09: Ja leider es gibt das dokumentierte Beispiel von einem türkischen NATO-Verteidigungsunternehmen.
00:14:16: Da wurden nachweislich hundertfünf Gigabyte an extrem sensiblen Daten über so einen kompromittierten VPN-Zugang exfiltriert.
00:14:25: Und wir reden da ja nicht von internen Speiseplänen oder Urlaubsanträgen, in den Berichten heißt es, da ging es um Militärhandbücher und Kryptoinformationen.
00:14:34: Das ist extrem brisant!
00:14:35: Kryptoinformation
00:14:36: – das bedeutet in dem Kontext ja oft kryptografische Schlüssel Baupläne für sichere Kommunikationstechnologie, das ist der Stoff aus dem massive Industrie-Spionage gemacht.
00:14:47: Das gefährdet potenziell die nationale Sicherheit – alles durch einen gelegten VPN
00:14:51: Zugang.".
00:14:52: Ja
00:14:52: und das führt uns eigentlich direkt zu einem sehr gefährlichen Irrtum den viele Unternehmer haben wenn sie von sowas hören!
00:14:57: Die sehen vielleicht die IP Adresse ihrer Firma auf einer Liegliste.
00:15:01: Ach kein Problem!
00:15:02: Wir zwingen jetzt alle zum Passwortwechsel, spielen das neueste Fortinet Update ein und die Sache ist erledigt.
00:15:08: Das ist die absolute Illusion einer schnellen Reparatur um mal auf deine Bank mithaffer zurückzukommen Wenn dir jemand den Haustürschlüssel klaut, reicht es eben nicht einfach das Schloss an der Vordertür auszutauschen.
00:15:19: Richtig!
00:15:20: Bei was ist denn wenn der Einbrecher den Schlüsse schon vor drei Wochen benutzt hat?
00:15:24: Der als längst im Haus hat sich gemütlich im Keller eingerichtet und sich einen eigenen Zweitschlüssel für die Hintertür besorgt?
00:15:29: Das neue Schloss in der Vordertür juckt dann gar nicht mehr
00:15:33: Und diese Unsicherheit ist für jedes Unternehmen quälend.
00:15:36: Wenn du nicht forensisch zu hundert Prozent beweisen kannst dass der Angreifer nicht im Netz war Dann musst Du Leute davon ausgehen, dass er es war.
00:15:43: Das heißt, ein kompromitierter Zugang zwingt dich eigentlich sofort zu einer echten Incident-Response.
00:15:50: Also zu einer vollumfänglichen Vorfallsreaktion.
00:15:52: Absolut!
00:15:53: Was bedeutet das denn jetzt konkret für die Admins, die uns hier zuhören?
00:15:56: Was müssen sie tun abgesehen von Multifaktorauthentifizierung also MFA?
00:16:00: Ich meine, MFA für externe Zugänge sollte ja heutzutage wirklich eine absolute unverhandelbare Pflicht sein
00:16:06: oder?!
00:16:06: Ohja... Wer heute noch administrative VPN-Zugänge anbietet, die nur durch ein einziges Passwort gesichert sind.
00:16:16: Der handelt meiner Meinung nach grob fahrlässig.
00:16:19: Also MFA ist die Pflicht?
00:16:21: Aber was nur auch?
00:16:23: Administratoren müssen bei so einem potenziellen Leak wirklich tief in die Locks abtauchen.
00:16:28: Die müssen proaktiv nach spezifischen Indicators of Compromise suchen.
00:16:33: Also nach Spuren
00:16:34: der Angreifer?
00:16:35: Genau!
00:16:36: Gibt es da zum Beispiel VPN-Sitzungen von IP-Adressen, die die Firma sonst nie nutzt?
00:16:41: Sehen wir sogenannte Impossible Travel Muster.
00:16:45: Was ist das genau?
00:16:47: Das ist wenn sich ein Admin um vierzehn Uhr aus Berlin einlockt und um vierzen Uhr zehn plötzlich aus Tokio!
00:16:53: Das ist physisch unmöglich – und ein ganz klarer Beweis dafür dass Zugangsdaten gestohlen wurden.
00:16:58: Und man muss ja wahrscheinlich auch nach diesen speziellen Forti-Bleed-Spuken suchen, oder?
00:17:03: Also gab es unberechtigte Config-Exporte.
00:17:06: wurden plötzlich neue Admin-Konten in der Firewall angelegt die niemand aus dem Team kennt.
00:17:11: Ja!
00:17:12: Oder haben die Angreifer versteckte Tunnel konfiguriert um unbemerkt Daten abschließen zu lassen?
00:17:18: Man muss dieses ganze digitale Haus wirklich auf den Kopf stellen und nach diesem wie du vorhin sagtest Typen im Keller suchen.
00:17:25: Das zeigt einfach so deutlich Technischer Abwehr endet heute nicht mehr an den Festungsmauern.
00:17:31: Die Identität ist eigentlich der neue Perimeter.
00:17:34: Schön gesagt!
00:17:35: Die dickste Firewall bringt dir halt gar nichts, wenn du die Identität von der Person, die dadurch spaziert, nicht permanent und sicher überprüft.
00:17:42: Das fasst die Mission unseres Diebdives heute wirklich perfekt zusammen.
00:17:47: Fordiblid beweist auf ganz brutale Weise, dass der beste technische Schutz wertlos wird wenn das Passwort gestohlen ist.
00:17:55: Eine starke IT-Sicherheit fängt da draußen am Perimeter eigentlich erst
00:17:59: an.
00:18:00: Absolut!
00:18:02: Zum Abschluss möchte ich dir also dir, der oder die uns gerade zuhört noch einen Gedanken mit auf den Weg geben Ein Gedanke, der sich aus diesem KI-Werkzeugkasten der Kriminellen ergibt.
00:18:14: Wir haben ja heute gesehen wie diese Broker forty-fünfig GPU-Cluster nutzen und autonome KI-Agenten nutzen um Netzwerke in rasender Geschwindigkeit auszuspähen.
00:18:24: Wenn heute schon Algorithmen selbstständig entscheiden welches Werkzeug sie gegen eine Firewall einsetzen Wie lange dauert es dann noch bis menschliche IT-Administratoren komplett schungslos sind?
00:18:36: Stell dir vor, du sitzt im Security Operations Center deines Unternehmens und musst Entscheidungen treffen gegen einen Angreifer der nie schläft.
00:18:44: Der keine Tippfehler macht!
00:18:46: Und der in Millisekunden aus den Fehlern von tausenden gestohlenen Daten lernt.
00:18:51: Befinden wir uns vielleicht bereits am Vorabend eines rein maschinellen Cyber-Krieges bei dem der Mensch eigentlich nur noch unglaublicher Zuschauer ist?
00:18:59: Ein Gedanke, den du bei der nächsten Passworteingabe oder beim nächsten Firewall Update durchaus mal im Hinterkopf behalten kannst….
00:19:05: Pass auf deine Schlüssel auf.
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