#12 Identitäten im Darknet – der Datenraub bei der Bank of Baroda
Shownotes
Mehr als 700 Gigabyte Daten sollen im Darknet aufgetaucht sein – andere Berichte sprechen sogar von rund einem Terabyte. Darunter befinden sich mutmaßlich Identitätsnachweise, Kreditunterlagen, Kundendaten sowie interne Prüf- und Compliance-Dokumente der indischen Bank of Baroda.
Die Bank bestätigte den unbefugten Zugriff auf bestimmte Daten über ein kompromittiertes Mitarbeiter-E-Mail-Konto. Nach ihren Angaben blieben die Kernbankplattform und die zentralen Transaktionssysteme sicher. Hinweise auf einen Ausfall des Zahlungsverkehrs oder eine flächendeckende Verschlüsselung der Systeme gibt es bislang nicht.
Wir schildern, welche Folgen veröffentlichte Identitäts- und Kreditunterlagen für Kunden haben können: glaubwürdige Phishing-Nachrichten, betrügerische Anrufe und möglicher Identitätsmissbrauch.
Des Weiteren wie ein einzelnes E-Mail-Konto zum Einfallstor werden kann, was Session-Tokens und Multi-Faktor-Authentifizierung damit zu tun haben und warum ein Datenabfluss nicht automatisch ein klassischer Ransomware-Angriff ist.
Außerdem klären wir:
• Was über den Angriff tatsächlich bestätigt ist • Warum sich die Angaben zur Datenmenge unterscheiden • Welche Rolle die mutmaßliche Tätergruppe TripleX spielt • Wie Banken ungewöhnliche Datenabflüsse erkennen können • Was Kunden jetzt beachten sollten
Transkript anzeigen
00:00:00: Dieser Podcast wurde inhaltlich von Nikolas Stapels zusammengestellt.
00:00:04: In dieser Reihe erzählen wir wahre Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität, der IT-Sicherheit und digitaler Risiken.
00:00:12: Es sind Geschichten die zeigen wie schnell Unternehmen verwundbar werden können – und wie wichtig es ist, aus den Fehlern anderer zu lernen bevor man selbst betroffen.
00:00:24: Ja, herzlich willkommen.
00:00:26: Ich bin heute wieder deine quasi eure Begleitung durch diesen neuen Deep Dive.
00:00:31: Ich stelle hier wie immer die Fragen, die sich uns allen so aufdrängen.
00:00:35: Genau und ich bin sozusagen der Typ für die analytische Seite also für die technischen Details dahinter.
00:00:41: Richtig!
00:00:42: Und bevor wir in die Tiefe gehen, stell dir mal kurz Folgendes vor.
00:00:47: Du stehst vor der Zentrale von einer richtig großen internationalen Bank.
00:00:51: Ja?
00:00:51: Du siehst da Panzerglas überall bewaffnetes Sicherheitspersonal in der Lobby und tief unten im Keller ist dieser riesige Tresorraum aus meterdickem Stahl biometrisch gesichert
00:01:04: Wie im Film halt
00:01:04: Genau wie im Film.
00:01:06: Alles strahlt diese absolute undurchdringliche Sicherheit aus.
00:01:11: Und wenn du jetzt von einem Bankraub hörst, dann denkst du automatisch an Typen mit Sprengstoff oder so thermischen Lanzen die versuchen da reinzukommen.
00:01:19: Der Passische heißt sozusagen?
00:01:21: Exakt!
00:01:22: Aber was wenn dieser fette Trisor völlig unberührt bleibt?
00:01:26: Was wenn der Angreifer stattdessen einfach ich sag mal in den Pausenraum der Bank spaziert?
00:01:32: Ja.
00:01:33: bricht er den unscheinbaren, leicht verbeulten Blechspint von einem ganz normalen Mitarbeiter auf und genau von dort aus räumt der die Geheimnisse der Haltenbank leer.
00:01:42: Völlig unbemerkt!
00:01:43: Das ist eigentlich ein perfektes Bild für das was heute passiert.
00:01:47: Echt?
00:01:47: Ja absolut.
00:01:49: Weil diese Ära der lauten zerstörischen Einbrüche also direkt in die Hauptdatenbank, die es weitgehend vorbei.
00:01:56: Okay... Die echte Bedrohung ist heute eigentlich der ganz leise fast bürokratische Weg durch die Hintertür oder Seitentür.
00:02:05: Angreifersuchen nicht mehr nach der fehlerhaften Firewall vom Kernsystem,
00:02:09: sondern
00:02:09: sie suchen nach dem schwächsten Glied in der ganz normalen täglichen Arbeitsroutine.
00:02:14: Wahnsinn!
00:02:15: Und genau das führt uns nämlich zu dem Vorfall den wir uns heute in unserer Recherche anthauen.
00:02:20: Es geht um einen Fall, der im Juli für die Indische Finanzwelt so richtig erschüttert hat.
00:02:28: Wir sprechen heute über die Bank of Baroda.
00:02:31: Das ist eine der größten staatlichen Banken in Indien und das Ganze ist deshalb so faszinierend, weil da zwei völlig unterschiedliche Geschichten aufeinander prallen.
00:02:40: Ja, die Narrative gehen da extrem auseinander.
00:02:43: Total!
00:02:43: Also Ende Juli tauchte der Name der Bank plötzlich auf dieser Darknet-Plattform auf – ransomware.live heißt sie.
00:02:51: Genau Und da war diese Tätergruppe, die nennt sich Triple X. Die haben behauptet, sie hätten ein ganzes Terabyte – also tausend Gigabyte an den sensibelsten Daten erbeutet.
00:03:02: Ein Terabyte ist eine Ansage!
00:03:05: Richtig und wir reden hier von hunderttausend bis dreihunderttaußen so KYC-Antragsformulanen.
00:03:10: Also dieses Know Your Customer?
00:03:12: Genau
00:03:13: Inklusive Fotos, dann diese indischen Identitätsnachweise.
00:03:17: Also Aderkarten und Pankarten, kompletten Kreditunterlagen – und was ich krass fand, extrem vertrauliche interne Compliance-Dokumente also Revisionsberichte von deren Bob World App.
00:03:28: Ja das ist heftig!
00:03:30: Die Bank of Baroda hat natürlich reagiert.
00:03:33: die haben auch einen Vorfall bestätigt Aber deren Version klang völlig anders.
00:03:38: Wie immer eigentlich!
00:03:39: Ja, die sackten ein kompromittiertes Mitarbeiter-Email-Konto hätte zu unbefugtem Zugriff auf Zitat bestimmte Daten geführt.
00:03:49: und jetzt kommt's – Die Kernbankensysteme und Transaktionsplattformen seien zu jedem Zeitpunkt absolut sicher gewesen.
00:03:58: Und genau da müssen wir als einer Lüsten extrem aufpassen.
00:04:03: Wir müssen da strikt trennen Zwischen dem was die Täter behaupten und dem, was verifizierte Fakten sind.
00:04:10: Also PR gegen Schadensbegrenzung?
00:04:13: Exakt!
00:04:14: Gruppen wie Triple X betreiben im Darknet eine richtig professionelle PR-Maschinerie.
00:04:20: Die haben ein massives Ego getriebenes und auch kommerzielles Interesse daran, die Menge und die Brisanz von ihrem Heck völlig zu übertreiben
00:04:27: Um Druck aufzubauen oder?
00:04:29: Genau
00:04:29: Das stärkt ihren Ruf in der Szene Und die Bank auf der anderen Seite.
00:04:34: Dies ist natürlich ein juristische Fakten gebunden, will aber auch Panik am Finanzmarkt verhindern.
00:04:40: Wenn wir uns jetzt mal die unabhängigen IT-Forscher ansehen – die haben nämlich die Metadaten der veröffentlichten Stichproben analysiert!
00:04:48: Und was sagen sie?
00:04:49: Die belastbaren Berichte sprechen von gut siebenhundert Gigabyte an authentischen Daten.
00:04:54: Okay also nicht das eine Terabyte, dass Triple X behauptet
00:04:57: hat?!
00:04:58: Nein, aber sieben hundert Gigabytes sind trotzdem ein gewaltiger extrem kritischer Datenabfluss….
00:05:04: Das ist gigantisch.
00:05:05: Und das ist genau der Punkt, an dem ich bei der Vorbereitung für heute echt gestolpert bin!
00:05:09: Warum?
00:05:10: Naja wenn die Kernsysteme also der Tresorraum aus meiner Metapher vorhin wirklich unberührt blieben und wir nur von einem einzigen kompromittierten E-Mailkonto sprechen wie zur Heller passen siebenhundert Gigabyte an KYC Daten Ausweiskopien und internen Audits in ein einziges verdammtes Postfach?
00:05:27: Ja das klingt erstmal unlogisch.
00:05:29: eben
00:05:30: In vielen Firmen sind Postfächer doch oft auf ein paar Gigabyte limitiert.
00:05:35: Wie wird aus einem geknackten Account einen League von hunderttausenden Kundenakten?
00:05:41: Um das zu verstehen, musst du oder müssen wir uns von der Idee verabschieden dass sein E-Mailkonto heute nur ein digitaler Briefkasten ist?
00:05:47: Okay was is es dann?
00:05:50: In so modernen Netzwerken mutiert das E-mailkonto zu einem gigantischen oft völlig unregulierten Warenlager.
00:05:57: Wir in der IT-Sicherheit nennen das oft das informelle Archiv.
00:06:00: Oder das Bild ist vielleicht noch treffender, ein SICKER-WASSER-Archiv!
00:06:04: Ein SICKerwasserarchiv?
00:06:06: Ja
00:06:06: Das Wort gefällt mir Weil die Daten quasi durch die Ritzen der Prozesse fallen und dann da unten vor sich hin sickern.
00:06:13: Ganz genau Denk einfach mal an den realen Arbeitsalltag In so einer Bankfiliale.
00:06:18: Ein Kunde reicht seinen Ader Ausweis ein um sich zu identifizieren Der Mitarbeiter scannt das ein und schickt das PDF per Mail an die Compliance-Abteilung.
00:06:27: Okay, ganz normaler Vorgang?
00:06:29: Ja!
00:06:29: Und der Vorghang ist dann nach drei Tagen auch offiziell im System abgeschlossen.
00:06:33: Aber – und das ist das Problem – Die E-Mail mit dem hochsensiblen PDF-Anhang bleibt im Postausgang des Mitarbeiters... Ah!
00:06:40: ...und natürlich auch im Posteingang der Kollegen von der Compliance.
00:06:44: Und
00:06:44: das liegt da über
00:06:45: Jahre?!
00:06:45: Krass!
00:06:46: Dazu kommen noch so automatisierte Systemberichte, die vielleicht jeden Tag als Excel verschickt werden….
00:06:52: Dann hast du verknüpfte Cloud-Laufwerke, auf die aus den Mehls heraus verlinkt wird.
00:06:56: Stimmt
00:06:57: SharePoint und so was?
00:06:58: Genau!
00:06:59: Der Angreifer der das Postfach kapert erbeutet also nicht nur die Meeres von heute.
00:07:04: Er greift auf diesen ganzen angesammelten Bodensatz jahrelange völlig unaufgeräumter Geschäftsprozesse
00:07:09: zu.
00:07:10: Das erklärt natürlich diese unglaubliche Masse an Daten.
00:07:14: Aber lass uns mal kurz auf den Angriffsvektor schauen.
00:07:17: Wie kommen die da überhaupt rein?
00:07:19: Das ist die nächste spannende Frage.
00:07:21: Ich hab in so Untersuchungsberichten zu einlichen Vorfällen immer wieder von sogenannten Info-Stealern gelesen.
00:07:28: Oder gestohlenen Session-Tokens, wenn ich das richtig verstanden habe umgehen diese Dinger ja sogar die Multifaktor-Authentifizierung oder?
00:07:36: Die raten gar keine Passwörter mehr!
00:07:38: Völlig richtig, also wir müssen dazu sagen der konkrete Zugangsweg bei der Bank of Baroda ist offiziell noch nicht bestätigt.
00:07:44: Okay aber die Muster sind ähnlich.
00:07:46: Ja wir sehen da eigentlich immer die gleichen Muster.
00:07:48: natürlich gibt es noch das klassische Fishing Also wo Leute durch Fakemails getäuscht werden oder
00:07:52: Credential Stuffing
00:07:54: Das ist wenn man alte Passwörter aus anderen Leaks einfach durchprobiert.
00:07:57: ne?
00:07:57: Exakt Aber dieser Session-Deam Style durch Infostieler das ist aktuell wirklich die gefährlichste Waffe.
00:08:04: Stell dir so einen Session-Token einfach vor wie ein VIP-Bändchen in einem exklusiven Club.
00:08:09: Okay, ein VIP Bändchen?
00:08:11: Wenn du dich morgens einloggst mit Passwort und dem Code auf dem Handy dann prüft der Türsteher also das IT System deinen Ausweis.
00:08:18: Ja
00:08:19: wenn alles passt kriegst Du das VIP bändchen.
00:08:21: Das wird in dein Browser gespeichert als Session Token
00:08:24: Und dann kann ich den ganzen Tag in der Firma arbeiten ohne mich ständig neu anzumelden.
00:08:28: Genau!
00:08:29: Der Türsteer fragt Dich nicht mehr und ein Infostealer Das ist jetzt so eine winzige Schadsoftware, die gelangt unbemerkt auf deinen Rechner und klaut genau dieses VIP-Bändchen.
00:08:39: Wahnsinn!
00:08:40: Der Hacker kopiert sich das Bändchen in seinen eigenen Browser und spaziert einfach am Türsteher vorbei.
00:08:46: Das System denkt – alles klar, dass es der legitime Mitarbeiter ist.
00:08:49: Das ist
00:08:50: extrem perfide….
00:08:52: Und das führt mich direkt zu einem konzeptionellen Problem, das hier offensichtlich total versagt hat.
00:08:57: Welches meinst du?
00:08:59: Naja, das Prinzip der minimalen Berechtigungen.
00:09:02: Also Least Privilege!
00:09:03: Selbst wenn der Hacker dieses Wipp-Bändchen hat, der normale Mitarbeiter sollte doch gar nicht die Erlaubnis haben auf hunderttausende Kundenakten zuzugreifen, wenn er sie gerade nicht braucht.
00:09:13: Da triffst du genau den wunden Punkt von dem ganzen Vorfall.
00:09:17: Was hier wirklich faszinierend ist – also im negativen Sinn?
00:09:20: Das Prinzip der Minimalberechtigung sagt ja Ein Konto darf immer nur exakt die Zugriffsrechte haben, die für die aktuelle Aufgabe unerlässlich sind.
00:09:29: Logisch!
00:09:30: Wenn aber ein einziges geknacktes Konto plötzlich den Zugriff auf siebenhundert Gigabyte Daten und interne Audits ermöglicht...
00:09:37: Dann lief da gewaltig was schief?
00:09:39: ...dann waren die Rechte viel zu weit reichen konfiguriert.
00:09:44: Entweder hatte der Typ Dauerhaftzugriff Auf zentrale Datenbanken, denen er eigentlich nur für fünf Minuten hätte haben dürfen Oder die Archivierungsrichtlinien, also unser SICKER-Wasserarchiv haben iklatant versagt.
00:09:58: Hacker müssen sich also gar nicht mehr krass anstrengen Systeme zu brechen!
00:10:02: Genau – sie logen sich einfach ein und nutzen die völlig überdimensionierten Rechte von normalen Usern.
00:10:09: Aber
00:10:09: weißt du was mich an der ganzen Vorgehensweise dieser Gruppe Triple X wirklich irritiert?
00:10:14: Was
00:10:14: denn?!
00:10:14: Das
00:10:14: was danach passiert ist oder eher was nicht passiert ist.
00:10:18: Normalerweise bei so einem krassen Heck Da erwarte ich dieses klassische Ransom-Warding.
00:10:23: Also Bildschirme werden rot, alles blockiert?
00:10:26: Ja plötzlich fallen die Geldautomaten aus der Zahlungsverkehr stoppt und auf dem Bildschirm ist so eine Textdatei die fünfzig Millionen Dollar in Bitcoin fordert.
00:10:35: Das ist das klassische Bild!
00:10:37: Aber hier gab es lauter Bank keine flächendeckende Verschlüsselung keinen Systemausfall keine Betriebsunterbriechungen.
00:10:44: Triple Essex hat die Daten einfach völlig kostenlos ins Darknet gestellt.
00:10:49: Null Dollar-Lösegeld.
00:10:51: Wer macht sich denn die Mühe, eine der größten Banken in Indien zu hacken?
00:10:55: Nur um die Beute dann zu verschenken!
00:10:57: Das ist eine super Frage – wir beobachten da gerade einen massiven Paradigmenwechsel in der Cyberkriminalität.
00:11:04: Das nennt sich Ransomware II.null oder auch reine Erpressungsökonomie.
00:11:09: Okay wie funktioniert das?
00:11:11: TripleSX
00:11:12: ist übrigens im Mai von dem Jahr zweitausendzechsten schon mal aufgefallen bei einem Angriff auf eine indonesische Bank.
00:11:18: Die behaupten von sich selbst, auch wenn das unbewiesen ist.
00:11:21: Sie würden Unternehmen für schwache Sicherheitsvorkehrungen quasi bestrafen.
00:11:25: Robin Hood der Hacker oder was?
00:11:27: So inszenieren sie sich gerne ja.
00:11:29: Früher ging es den Tätern immer um die Verfügbarkeit von Systemen.
00:11:33: Sie haben Daten verschlüsselt weil der sofortige Stillstand vom Unternehmen den größten Schmerz erzeugt hat.
00:11:39: Klar, wenn die Bank nicht mehr arbeiten kann zahlt sie!
00:11:42: Genau.
00:11:43: Aber heute wissen die Angreifer – die meisten guten Unternehmen haben Backups Eine Verschlüsselung können die oft ziemlich schnell rückgängig machen.
00:11:50: Stimmt!
00:11:51: Also zielen die Hacker jetzt auf die Vertraulichkeit ab und auf den Reputationsschaden.
00:11:57: Diese kostenlose Veröffentlichung im Darknet, das ist die ultimative Machtdemonstration.
00:12:02: Es geht also darum, dass Vertrauen der Kunden- und der Aufsichtsbehörden einfach komplett zu zerstören?
00:12:08: Absolut!
00:12:09: Irreparabel zu zerstören
00:12:10: Aber warte mal, wenn die Täter die Systeme nicht verschlüsseln sondern die Daten einfach nur kopieren.
00:12:17: Da stelle ich mir aus IT-Sicht extrem scherz zu erkennen vor.
00:12:21: Oh ja!
00:12:21: Also wenn ich in einer Bank arbeite und plötzlich fließender siebenhundert Gigabyte Daten aus dem Netzwerk muss dann nicht eigentlich jedes Sicherheitssystem so einen Data Loss Prevention Tool sofort Alarm schlagen?
00:12:35: In der Theorie Ja, sofort.
00:12:37: In der Praxis ist das aber der absolute Albtraum für jedes Security Operations Center.
00:12:42: Warum?
00:12:42: Das Stichwort hier heißt Living of the Land.
00:12:46: Die Angreifer bringen oft gar keine eigene Schadsoftware mit – also nichts was ein Virenscanner irgendwie erkennen könnte.
00:12:52: Sie nutzen einfach die Bordmittel, die sowieso schon auf dem Computer sind
00:12:56: Also legitime Programme.
00:12:58: Sie nutzen PowerShell-Skripte, Cloud APIs oder Synchronisierungstools die der Mitarbeiter für seine ganz normale Arbeit jeden Tag nutzt.
00:13:05: Ah!
00:13:06: Verstehe das System sieht dann also gar keinen Hacker?
00:13:09: Genau Das System sieht nur einen anscheinend legitimen Mitarbeiter Der mit seinen gültigen Rechten eine völlig legitime Backup Funktion nutzt.
00:13:19: Krass!
00:13:20: Das heißt aber auch diese forensische Aufarbeitung im Nachhinein.
00:13:24: Das ist doch wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
00:13:27: Besser kann man es nicht beschreiben!
00:13:29: Man muss in diesen Server-Protokollen normales Verhalten von bösartigen Verhalten unterscheiden und beides wurde vom exakt gleichen Account gemacht.
00:13:38: Ja, das ist eine Sisyphusarbeit – Die Forensiker, die jetzt da ermitteln, die arbeiten übrigens mit den Behörden zusammen also dem indischen CRTN unter Zentralbank RBI.
00:13:49: Und die wühlen sich jetzt durch Lockdateien.
00:13:52: Durch Millionen Zeilen von Lockdatein!
00:13:55: Die müssen nicht nur beweisen, dass die Dateien im Darknet echt sind... ...die müssen diese Dateien auch noch mit den echten Datenbanken der Bank abgleichen.
00:14:03: Um zu sehen wann genau das rausgegangen ist?
00:14:06: Exakt.
00:14:06: Die müssen in exakten Zeitstempel finden um zu wissen, in welchem Zeitfenster das Netzwerk kompromittiert war und das dauert Wochen.
00:14:15: Manchmal Monate.
00:14:17: Okay, lass uns mal kurz von dieser technischen Seite wegdehnen.
00:14:20: Ich will auf die Ebene schauen wo diese eigentlich abstrakte Datenklau eine sehr reale physische Dimension kriegt.
00:14:28: Nämlich bei den Kunden.
00:14:29: Ja das ist der bittere Teil
00:14:32: Also den Kunden der Bank of Baroda.
00:14:35: Wir reden ja hier echt nicht von irgendwelchen gelegten Netflix-Passwörtern Besprechen von Pansteuerkarten Ahada Identifikationsnummern Fotos Kompletten Kreditakten
00:14:45: Hochsensible Daten
00:14:47: Total.
00:14:48: Wenn diese Daten jetzt im Darknet kursieren, was passiert denn damit?
00:14:52: Wer lädt sich bitte schön siebenhundert Gigabyte indische Bankdaten runter?
00:14:55: Da hat sich in den letzten Jahren eine hochgradig spezialisierte Schattenwirtschaft gebildet.
00:15:01: Wir müssen an der Stelle natürlich fairerweise betonen wir reden hier über potenzielle Risiken!
00:15:06: Wir sagen nicht dass das Denkunden der Bank of Baroda jetzt schon massenhaft passiert.
00:15:10: ist
00:15:11: Wichtig ja
00:15:12: Aber die Mechanik im Darknett ist absolut etabliert.
00:15:15: Es gibt sogenannte Data Broker.
00:15:18: Die nehmen diese rohen Datenbanken und destillieren daraus ganz genaue Profile, im Szene Jagon nennt man das FULZ.
00:15:27: Genau!
00:15:28: Das sind Komplettpakete.
00:15:30: Ein FULS-Paket enthält dann das Foto von dir die Steuernummer, die Privatadresse, das Geburtsdatum und vielleicht noch deine letzten Kontostände.
00:15:38: Und diese Pakete werden für richtig gezielten Identitätsdiebstahl genutzt?
00:15:41: Ja Weißte ich kann ja meine Kreditkarte sperren lassen, wenn die gehackt wird?
00:15:45: Das ist ein Anruf von fünf Minuten.
00:15:48: Aber mein Gesicht ... Mein Geburtsdatum oder meine staatliche ID-Nummer... Die verliere ich nur einmal!
00:15:54: Die kann nicht austauschen.
00:15:55: Absolut nicht und genau das macht diese Datenklassen für Kriminelle so unglaublich wertvoll.
00:16:01: Der ganz klassische Identitätsdiebstahl also dass jemand Konten eröffnet oder Kredite in deinen Namen beantragt, das ist oft erst der Anfang.
00:16:09: Da kommt noch mehr.
00:16:10: Ohja Durch diese Fulz sehen wir eine völlig neue Qualität von Social Engineering, gerade beim Fishing.
00:16:16: Wie
00:16:16: muss ich mir das vorstellen?
00:16:17: Stell dir vor dein Telefon klingelt!
00:16:19: Da ist ein angeblicher Bankmitarbeiter dran.
00:16:22: Der fragt dich nicht plump nach deinem Passwort.
00:16:24: Nein der beginnt das Gespräch damit dass er dir auf den Zent genau deine Kreditrate vom letzten Monat nennt.
00:16:30: Okay das is gruselig.
00:16:31: Er kennt deine Steuernummer und er weiß ganz beiläufig dass du vor drei Jahren in der Filiale in Mumbai einen KYC-Bogen ausgefüllt hast.
00:16:40: Da würde ich auch denken, das ist wirklich die Bank.
00:16:43: Genau!
00:16:44: Diese Details schaffen sofort eine unglaubliche Autorität und Glaubwürdigkeit.
00:16:49: Selbst Leute, die total skeptisch sind lassen dann alle Schutzmechanismen fallen.
00:16:53: Das
00:16:54: ist die perfekte psychologische Falle.
00:16:56: Und in dem Zusammenhang habe ich bei der Recherche etwas gelesen was wohl gerade in Indien massiv um sich greift und dass baut wohl direkt auf solchen Leaks auf.
00:17:05: Du meinst den digitalen Hausarrest?
00:17:08: Ja
00:17:09: Das klang für mich, als wäre das direkt aus so einem dystopischen Thriller.
00:17:13: Wie genau funktioniert diese Masche?
00:17:31: Echten Bürokulissen, die tragen Uniformen und jetzt nutzen Sie diese gelegten Daten um dir zu beweisen dass sie die staatliche Autorität haben.
00:17:40: Die sagen dann quasi wir wissen alles über sie.
00:17:44: Genau!
00:17:45: Die sagen zum Beispiel Frau Soundso Wir haben auf einem Konto das mit ihrer Pannkarte verknüpft ist Geldwäscheaktivitäten festgestellt Und dann konfrontieren sie das Opfer mit seinen eigenen echten Dokumenten.
00:17:57: Wahnsinn!
00:17:58: Und dann setzen sie das opfer massiv unter Druck.
00:18:01: Sie befehlen der Person, die Wohnung auf gar keinen Fall zu verlassen.
00:18:05: Und die Webcam muss dauerhaft aktiviert
00:18:07: bleiben.".
00:18:08: Daher der Begriff Hausarrest?
00:18:10: Genau – Digitale Hausarreste!
00:18:12: Durch diese totale psychologische Isolation zwingen sie die Leute schließlich dazu all ihre Ersparnisse auf angebliche staatliche Sicherungskonten zu überweisen.
00:18:21: Nur um eine Haftstrafe zu entgehen?
00:18:24: Richtig
00:18:24: und ohne diese hochpräzisen Daten aus solchen
00:18:27: Leaks
00:18:28: wäre diese ganze Illusion von Autorität überhaupt nicht aufrecht zu erhalten.
00:18:32: Das zeigt doch echt auf brutale Weise, dass solche Datenlex nicht einfach nur so ein regulatorischer Verstoß sind – die bilden die Infrastruktur für organisierte psychologische Gewalt!
00:18:44: Das
00:18:46: bringt mich direkt zur Frage der Verteidigung.
00:18:49: Was können Unternehmen, aber auch du und ich als Privatpersonen überhaupt noch tun?
00:18:53: Also wenn die Angreifer nicht mehr die Firewalls hacken sondern einfach mit VIP-Bändchen durch die Vordertür kommen.
00:19:00: Für Unternehmen fängt das bei einer extrem strikten Identitätsprüfung an.
00:19:05: eine einfache SMS mit einem Code reicht da heute nicht mehr weil man das abfangen
00:19:09: kann.
00:19:10: was braucht man dann?
00:19:11: es braucht Fishing resistente multifaktor Authentifizierung Also zum Beispiel Hardware-Tokens oder diese Fido II Passkeys.
00:19:19: Okay, also wo man wirklich ein physisches Gerät braucht?
00:19:22: Genau!
00:19:23: Und genauso wichtig ist das permanente Monitoring der aktiven Sitzungen von diesen Session Tokens und man muss die Weiterleitungsregeln in den E-Mail Postfächern kontrollieren.
00:19:33: Damit sich dieses Sickervasser Archiv gar nicht erst bildet.
00:19:36: Exakt – Das Prinzip der minimalen Berechtigung muss technisch erzwungen werden.
00:19:41: Zugriff gibt es nur noch zeitlich begrenzt.
00:19:44: Und was, wenn doch jemand drin ist?
00:19:45: Dann müssen die Systeme ungewöhnliche Datenabschlüsse sofort erkennen.
00:19:49: Wenn ein Account nachts plötzlich Gigabyte an Compliance-Daten packt und nach außen schickt dann muss dieser Account automatisch eingefroren werden.
00:19:57: Sofort
00:19:57: blockieren!
00:19:58: Ja – und natürlich braucht es einen transparenten Incident-Response Plan um die Kunden im Ernstfall schnell und ehrlich zu informieren.
00:20:05: Da
00:20:12: gibt es eine eiserne Regel.
00:20:13: Vertraue niemals der Cola-ID auf deinem Display.
00:20:16: Nur man können heute problemlos gefälscht werden.
00:20:19: Okay, das ist wichtig!
00:20:20: Banken oder Behörden werden dich auch niemals am Telefon nach PINS, Passwirtern oder Einmalcodes – also OTP's fragen Wenn ein Anrufer das tut egal wie viele private Daten er von dir kennt.
00:20:30: Auflegen Sofortauflegen Nutze nur die offiziellen Bankkanäle.
00:20:35: Überwache deine Konto-Bewegungen auf ungewöhnliche Kreditanfragen.
00:20:38: Und wenn dir was komisch warp kommt, melde das sofort in offiziellen Stellen!
00:20:43: In Indien wäre das zum Beispiel die Notruf Nummer neunzehntreißig oder das nationale Cybercrime Portal.
00:20:48: Das sind auf jeden Fall sehr pragmatische Schritte, die man auch sofort umsetzen kann.
00:20:52: aber ich möchte diese Alalyse diesen Deep Dive mit einem etwas grundlegenderen Gedanken abschließen der mich einfach nicht mehr loslässt.
00:21:01: Weißt du, wir haben jahrzehntelang Milliarden in Software-Sicherheit gepumpt.
00:21:05: Wir patchen ständig Firewalls und suchen nach fehlerhaftem Code.
00:21:09: Richtig!
00:21:09: Aber was wenn unsere größte Schwachstelle heute gar keine technische Fehlfunktion mehr ist?
00:21:14: Was wenn das eigentliche Problem – dass blinde Vertrauen von unseren IT-Systemen in diese digitalen Identitäten ist…
00:21:22: Wie meinst Du
00:21:22: das?!
00:21:23: Naja, wenn ein System nicht mehr kritisch hinterfragt, was jemand gerade tut... zum Beispiel mitten in der Nacht, siebenhundert Gigabyte Kundendaten runterzuladen.
00:21:32: Wenn das System ihm alles erlaubt nur weil er beim Login den korrekten digitalen Schlüssel vorgezeigt hat dann hat die IT-Sicherheit doch ein konzeptionelles Problem.
00:21:43: Vielleicht ist die ganze Idee vom vertrauenswürdigen Nutzer einfach völlig veraltet!
00:21:47: Wir müssen echt aufhören Accounts blind zu vertrauen und anfangen das Verhalten selbst kontinuierlich zu überprüfen.
00:21:54: Denn wie wir heute gesehen haben Wenn dieser digitale Schlüssel einmal kopiert ist, hält das System den Einbrecher nicht mehr für einen Feind.
00:22:02: Es hält ihn einfach für den rechtmäßigen Hausherrn!
00:22:24: Bis zur nächsten Folge, bleib aufmerksam und digital sicher!
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