#18 – Datenraub in Berlin: 5,8 Terabyte gestohlen

Shownotes

In Folge #18 von Hacker Diaries geht es um einen umfangreichen Cyberangriff in Berlin und den Diebstahl von rund 5,8 Terabyte Daten.

Wir sprechen darüber, wie solche Datenabflüsse technisch möglich sind, warum Angriffe auf Behörden besonders kritisch sein können und welche Sicherheitsmaßnahmen Organisationen daraus ableiten sollten.

🎙️ Hacker Diaries – Wahre Geschichten aus Cyberkriminalität, IT-Sicherheit und digitalen Risiken.

Recherche, Auswahl der Quellen und das Drehbuch dieser Folge stammen von einem Menschen: Nikolaus Stapels. Gesprochen wird die Folge von KI-Stimmen. Die Verantwortung für die Inhalte bleibt damit vollständig menschlich.

Transkript anzeigen

00:00:00: Dieser Podcast wurde inhaltlich von Nikolaus Stapels zusammengestellt.

00:00:04: In dieser Reihe erzählen wir wahre Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität, der IT-Sicherheit und digitaler Risiken.

00:00:13: Es sind Geschichten die zeigen wie schnell Unternehmen verwundbar werden können – und wie wichtig es ist, aus den Fehlern anderer zu lernen bevor man selbst betroffen ist!

00:00:23: Wir haben uns bewusst Zeit gelassen, bevor wir den Podcast veröffentlicht haben weil wir mehr über die Hintergründe wissen wollten.

00:00:30: Hallo und willkommen zu unserer heutigen Analyse!

00:00:33: Ja hallo zusammen – wir schauen uns heute eine Untersuchung an, die wirklich erschreckende Dimensionen hat.

00:00:41: Stell dir mal fünf Komma acht Terabyte an Daten vor.

00:00:45: Das ist ne unvorstellbare

00:00:46: Menge Absolut.

00:00:48: Also wenn man diese Datenmenge in Form von bedrucktem Papier stapeln würde, dann hätte man einen Turm der Kilometer weit in den Himmel reicht – Millionen von Dokumenten!

00:01:00: Vertreuliche Baupläne, interne Personaldossiers, Ausweiskopien von ganz normalen Bürgern.

00:01:07: und während Berlin im Spätsommer des Jahrtausend sechsundzwanzig seinen gewohnten Gang geht fließen genau diese Daten ab tagelang völlig lautlos

00:01:18: mitten aus dem zentrum der macht quasi.

00:01:20: und das ist das faszinierende und zugleich erschreckende an diesem fall.

00:01:25: wir blicken heute tief in die forensischen akten und die technischen berichte eines der schwerwiegendsten vorfälle in der berliner verwaltung.

00:01:32: richtig und wir machen das ja nicht um einfach nur ne chronologie abzuarbeit.

00:01:36: genau wir wollen verstehen wie so ein massiver datenabfluss überhaupt möglich war ohne dass Naja, sofort sämtliche Alarmglocken schrillten.

00:01:45: Wenn man da die Fakten von den Spekulationen trennt offenbart sich nämlich kein isolierter IT-Fehler dass es eher ein systemisches Versagen das ich über Jahre angebahnt hat.

00:01:55: Lass uns genau dort ansetzen bei der Dimension des Vorfalls.

00:01:59: wir schreigen den August.

00:02:01: zwei tausend sechsundzwanzig

00:02:02: okay

00:02:03: Forensische Analysen belegen zweifelsfrei, dass zwischen dem siebten und zwölften August Angreifer in zwei extrem wichtige Knotenpunkte der Stadt eindringen.

00:02:13: Das waren die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Bauen und Wohnen?

00:02:16: Richtig.

00:02:16: Exakt!

00:02:18: Und zusätzlich die Senatverwaltung für Mobilität Verkehr Klimaschutz und Umwelt.

00:02:23: In diesen Zeitfenster von nur sechs Tagen wird dieser gigantische Datenberg abtransportiert.

00:02:28: Und das Verrückte ist ja niemand merkt was?

00:02:31: Niemand.

00:02:32: Die Entdeckung lässt tatsächlich bis zum vierzehnten August auf sich warten.

00:02:35: Wow!

00:02:37: Ja, zu diesem Zeitpunkt ist der eigentliche Diebstahl längst abgeschlossen.

00:02:41: Als man das Ausmaß dann registriert greift man zur ultimativen Notbremse.

00:02:45: Stecker ziehen

00:02:46: Sozusagen die Netzwerke der betroffenen Behörden werden komplett isoliert.

00:02:50: Wir sprechen hier von einem neuntägigen Totalausfall

00:02:53: Und das hatte ja für die Bürgerinnen und Bürger Berlins reale Konsequenzen.

00:02:57: Also das bedeutet nicht nur dass ein paar Webseiten offline waren.

00:03:01: Gar nicht

00:03:02: Neun Tage lang konnten beispielsweise keine Wohngeldauszahlungen bearbeitet werden, stell dir vor du bist auf dieses Geld angewiesen um deine Miete zu zahlen und stehst plötzlich vor verschlossenen Türen.

00:03:12: Die Verwaltung war de facto gelähmt ja?

00:03:15: Und während man noch versucht das System irgendwie wieder ans Laufen zu bringen eskaliert die Situation am achtundzwanzigsten August völlig.

00:03:22: Da tritt dann Rezida auf dem Plan

00:03:25: Genau.

00:03:25: Die Gruppierung bekennt sich öffentlich zu dem Angriff.

00:03:28: Laut übereinstemmenden Medienberichten stellen sie eine unmissverständliche Forderung, nämlich dreißig Bitcoin-Lösegeld

00:03:34: Das waren ... Zu den damaligen Kursen so zwei bis zweikommer fünf Millionen Euro oder?

00:03:41: Richtig!

00:03:42: Und um den Druck zu maximieren, starten sie einen öffentlichen Countdown von sieben Tagen.

00:03:46: Aber Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner stellt sich ja sofort vor die Kameras?

00:03:51: Er erklärt ganz klar das Land Berlin lässt sich nicht erpressen – es fliegt kein Geld!

00:03:56: Ein sehr harter Schnitt hierher...

00:03:57: Aber weißt du wenn ich mir diesen Ablauf vor Augen führe….

00:04:00: da drängt sich mehr eine fundamentale Frage auf.

00:04:03: Schieß los

00:04:04: Um knapp sechs Terabyte in sechs Tagen zu bewegen, da braucht man eine massive, konstante Datenverbindung.

00:04:10: Das ist ja kein kurzer Einbruch bei dem jemand ne Scheibe einschlägt und die Kasse mitnimmt.

00:04:15: Nee das is'eine logistische Meisterleistung!

00:04:17: Das

00:04:17: iß eher so als würde eine Flotte von Schwerlastern tagelang vor einer Bank parken, die Tresore ausräumen... ...und die Wachleute schauen einfach zu!

00:04:26: Wenn die technischen Berichte diesen Abfluss belegen, warum dauerte es sieben Tage bis das überhaupt erkannt wurde?

00:04:33: Das darf doch eigentlich keinem Sicherheitssystem entgehen.

00:04:36: Das Rätsel löst sich wenn man sich die psychologische und technische Raffinesse des Zugangs anschaut.

00:04:42: Die Angreifer haben die digitalen Mauern eben nicht mit Rohrgewalt durchbrochen

00:04:47: Sondern

00:04:47: Sie haben eine Methode namens Terminal Fix genutzt.

00:04:51: Nach offiziellen Angaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, also dem BSI ist das eine perfide Weiterentwicklung von ClickFix.

00:05:00: Und diese Methode zielt nicht primär auf Schwachstellen in der Software ab sondern auf den Menschen vor dem Bildschirm.

00:05:06: Das BSI hat es ja detailliert beschrieben aber wenn ich mir das als Laievorstelle wie bringt man einen normalen Verwaltungsmitarbeiter dazu?

00:05:14: hochkomplexe Schadsoftware in ein System zu schleusen.

00:05:18: Das Geheimnis ist die sogenannte Alert-Vertieg, also die absolute Ermüdung durch ständige Warnmeldungen.

00:05:25: Stell dir vor du bist dieser Mitarbeiter.

00:05:27: Du hast einen riesigen Bergakten auf dem Tisch.

00:05:30: Möchtest einfach nur ein Dokument öffnen.

00:05:32: Plötzlich blockiert eine Meldung deinen Browser.

00:05:35: Ein Capture taucht auf!

00:05:36: Oh

00:05:36: ja diese Rätsel wo man Ampeln oder Zebra Streifen anklicken muss.

00:05:40: Exakt

00:05:41: um zu beweisen dass du kein Roboter bist.

00:05:43: wir alle hassen sie Aber wir klicken sie reflexartig weg, weil wir einfach weiterarbeiten wollen.

00:05:48: Ja das macht man völlig automatisch!

00:05:50: Und genau dieses Verhaltensmuster wird ausgenutzt.

00:05:53: Das Capture ist eine perfekte Fälschung.

00:05:56: Es suggeriert ein technisches Problem bei der Seitendahnstellung oder verlangt eine zusätzliche Sicherheitsprüfung.

00:06:02: Ah verstehe...

00:06:04: Um das angebliche Problem zu lösen wird der Nutzer angewiesen eine bestimmte Tastenkombinationen zu drücken oft so etwas wie Windows Taste plus R dann Steuerung plus V und Enter.

00:06:15: Warte mal, er drückt das einfach?

00:06:16: Ja weil er denkt es hilft!

00:06:19: Was er in seiner Eile nicht merkt, er hat zuvor unbewusst einen schadhaften Befehl in seine Zwischenablage kopiert.

00:06:25: Oh

00:06:25: wow!

00:06:26: Durch die Tastenkombination öffnet er das Windows Terminal fügt den Code ein und führt ihn direkt aus.

00:06:33: Und weil das aussieht wie eine legitime Sicherheitsmaßnahme, schöpft da niemand Verdacht?

00:06:37: Man denkt man verifiziert sich gerade während man in Wahrheit die Tür von innen aufschließt?

00:06:42: Ganz genau!

00:06:43: Aber dann muss ich mal die Architektur der Systeme infrage stellen selbst wenn der Mitarbeiter die Tür aufmacht.

00:06:48: Die forensischen Berichte zeigen doch dass die Software einen sogenannten Reverse-Tunnel nach draußen aufbaut.

00:06:55: Richtig.

00:06:55: Und zwar über den Standardport.

00:06:59: Warum schlägt die Firewall dann nicht Alarm, wenn sechs Terabyte an eine völlig unbekannte Adresse – also diese Domain gitnau.dev geschickt werden?

00:07:10: Das ist der geniale und echt erschreckende Teil der Tarnung!

00:07:14: Und das zu verstehen müssen wir uns ansehen was dieser Port fierfierdrei überhaupt macht.

00:07:19: Okay…

00:07:20: Das ist er Standard-Kanal für sämtlichen HTTPS Verkehr.

00:07:23: Jedes Mal wenn du eine verschlüsselte Webseite aufrufst Ein Update lezt oder Daten in eine Cloud schiebst, läuft das über diesen Port.

00:07:31: Also eigentlich ständig?

00:07:33: Genau!

00:07:34: In einer riesigen Behörde fließen dort jede Sekunde gewaltige Datenmengen ganz legitim hin und her.

00:07:40: Das heißt die Firewall sieht einfach nur verschlüsselten Traffic und winkt den freundlich durch.

00:07:46: Exakt

00:07:46: Um bei meiner Analogie von vorhin zu bleiben, dass ist als würde ein korrupter Mitarbeiter jeden Tag das Hoch-Sicherheitsgebäude verlassen.

00:07:54: Er hat seine normale Brotdose dabei

00:07:57: Schönes Bild.

00:07:58: Und die Wachleute, also die Firewalls haben die Anweisung alle Mitarbeiter mit Brotdosen durchzulassen.

00:08:06: Das ist Port four-four drei?

00:08:08: Ja!

00:08:08: Aber sie prüfen nicht ob diese Brot dose plötzlich einen doppelten Boden hat und fünfzig Kilo wiegt weil sie voller gestohlener Dokumente ist.

00:08:16: Sie schauen nur auf das Etikett HTTPS Traffic.

00:08:20: alles in Ordnung schön Feierabend.

00:08:22: Das beschreibt dass Dilemma moderner firewalls perfekt Ohne eine tiefergehende Verhaltensanalyse, die Anomalien erkennt.

00:08:30: Also Systeme, die Alarm schlagen.

00:08:32: wenn ein Rechner plötzlich das Tausendfache seines normalen Datenvolumes ins Ausland sendet geht so einen Abfluss im Grundrauschen komplett unter.

00:08:40: Wahnsinn!

00:08:41: Die Wachen kontrollieren das Etikett aber nicht den Inhalt Richtig

00:08:45: und auch nicht das ungewöhnliche Verhalten

00:08:47: Was uns unweigerlich zu der Frage führt wer da am anderen Ende dieses Tunnels sitzt?

00:08:53: Die Bekennerschreiben führen uns zu Reezy Da Genau.

00:08:56: Anschaut haben wir es hier ja nicht mit ein paar isolierten Hackern im Keller zu tun, das ist organisierte Kriminalität auf Konzernniveau.

00:09:05: Ein sogenanntes ransomware as a service Indikat Ja?

00:09:08: Dieses Modell hat die Cyberkriminalität echt revolutioniert.

00:09:12: Wie genau funktioniert das?

00:09:14: Die Entwickler der Schadsoftware, in dem Fall RISIDAR stellen die technische Infrastruktur und die Verschlüsselungstools als Dienstleistung zur Verfügung.

00:09:22: Die eigentlichen Einbrüche übernehmen sogenannte Affiliates.

00:09:26: Also Partner, die auf Provision arbeiten?

00:09:29: Genau!

00:09:30: Laut Einschätzung internationaler Sicherheitsbehörden deuten sprachliche Eigenheiten im Code daraufhin dass die Kerngruppe im russischsprachigen Raum operiert Wobei man immer betonen muss, solche Attributionen der Nachrichtendienste sind fundierte Einschätzungen selten hundertprozentige Beweise.

00:09:46: Klar technisch belegt ist das schwer – was sich an deren Vorgehensweise aber besonders zynisch finde, ist diese PR-Strategie.

00:09:54: Oh ja!

00:09:54: Die treten nicht auf wie klassische Erpresser mit der Pistole auf der Brust.

00:09:58: die inszenieren sich in ihren Bekenner schreiben fast schon als noble Helfer.

00:10:03: ein Cyber Security Team das eine Schwachstelle gefunden hat

00:10:06: Ziemlich perfide.

00:10:07: Total!

00:10:08: Sie bezeichnen die Millionenforderung schlicht als Honorar für diese Beratungen und das Löschen der Daten.

00:10:13: Das

00:10:13: ist reine psychologische Kriegsführung, die wollen die Opfer verhöhnen und gleichzeitig eine verdrehte Professionalität ausstrahlen Wie es grupellos die wirklich sind hat ein Fall von zwanzig dreiundzwanzig gezeigt

00:10:26: Bei der British Library oder?

00:10:27: Richtig Die Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs.

00:10:31: Als die Leitung sich mutig weigerte, das Lösegeld zu zahlen, machte Risi da ernst.

00:10:37: Die haben alles veröffentlicht!

00:10:38: Nicht nur massenhaft sensible Daten veröffentlicht – sie haben beim Abzug auch noch mutwillig Kernsysteme der Bibliothek zerstört.

00:10:46: Die Institution wurde in ihrer Arbeitsfähigkeit um Monate wenn nicht Jahre zurückgeworfen

00:10:51: Und exakt diese Drohkulisse stand auch im Berlin-Raum.

00:10:54: Am vierten September hat der Countdown ab.

00:10:59: Berlins Regierung blieb hart und zahlte nicht.

00:11:01: Daraufhin machte Resider seine Drohung wahr, und veröffentlichte einen riesigen Datensatz im Darknet – insgesamt ¼ Millionen Dateien.

00:11:10: Das war der Moment in dem das wahre Ausmaß sichtbar wurde!

00:11:13: Ja, weil in den Tagen zuvor hatten offizielle Stellen ja noch versucht zu beruhigen.

00:11:18: Es hieß man geht davon aus dass keine hoch sensiblen Daten abgeflossen seien.

00:11:22: Eine absolute Fehleinschätzung.

00:11:24: Die forensischen Auswertungen der Leaks zeigten ein verheerendes Bild.

00:11:28: Da

00:11:28: war alles dabei oder?

00:11:30: Ja

00:11:30: vertrauliche Baukläne von kritischer Infrastruktur Detailierte Personaldaten der Mitarbeiter Unzählige Ausweiskopien von Bürgern.

00:11:39: Aber der sicherheitstechnische Supergao und das wurde behördlich bestätigt waren die Passwörter.

00:11:45: Da stockt einem wirklich der Atem!

00:11:48: Die Angreifer hatten Listen mit Zugangsdaten erbeutet, die komplett unverschlüsselt im Klartext in simplen Office-Dokumenten auf den Netzlochwerken abgeregt waren.

00:11:56: Ein ganz normales Wörddokument!

00:11:58: Praktisch ja...

00:11:59: Das muss man wirklich mal kurz sacken lassen.

00:12:02: Da gibt es Netzwerke mit hochsensiblen Bürgerdaten Und die Schlüssel dazu liegen ungeschützt in einer Datei, die wahrscheinlich Passwörter Abteilung drei hieß.

00:12:15: Genau so sieht die Realität leider oft aus!

00:12:18: Das erklärt auch warum die IT-Verantwortlichen am ersten September in einer echten Panikreaktion plötzlich sämtliche VPN Verbindungen der Verwaltung kappen mussten.

00:12:27: Ah weil sie nicht wussten wer sich da einloggt?

00:12:29: Exakt

00:12:30: Sie wussten schlichtweg nicht mehr ob der Mitarbeiter im Home Office wirklich der Mitarbeiter ist oder ein Hacker, der das Klartextpasswort aus dem Darknet nutzt.

00:12:40: Das bringt mich zu einer extrem wichtigen Erkenntnis bei diesem Vorfall – die öffentliche Wahrnehmung ist ja oft Hecker greifen an, Bildschämme werden schwarz, man spielt das Backup von gestern ein und alles ist gut!

00:12:52: Das war früher oft so.

00:12:53: Aber hier haben wir es mit reiner Exfilthation zu tun, einem Datenraub!

00:12:58: Das bedeutet doch wenn die Daten erst einmal kopiert und im Darknet sind nützt mir das beste und teuerste Backup der Welt rein gar nichts.

00:13:06: Richtig Ein Backup macht den Diebstahl von hunderttausenden Bürgerdaten ja nicht ungeschehen – das Vertrauen ist gebrochen und die Daten sind da draußen.

00:13:15: Du sprichst

00:13:15: gegen einen entscheidenden Paradigmenwechsel in das Cyber-Sicherheit an.

00:13:19: Lange Zeit lag der Fokus fast ausschließlich auf die Verfügbarkeit der Systeme.

00:13:23: Backup, Gleichsicherheit

00:13:25: Aber das greift heute zu kurz?

00:13:27: Absolut Gruppen wie Recida haben erkannt dass die Vertraulichkeit der Daten ein viel mächtigerer Hebel ist.

00:13:33: Es geht nicht darum die Behörde technisch lahmzulegen.

00:13:36: es geht darum maximalen politischen und gesellschaftlichen Schaden anzudrohen

00:13:40: Weil wenn Ausweiskumpien im Netz landen haben diese Menschen ein echtes Risiko für Identitätsdiebstahl.

00:13:46: Genau, und das lässt sich mit keinem IT-Neustart rückgängig machen.

00:13:50: Wenn man sich jetzt fragt wie es überhaupt so weit kommen konnte müssen wir einen Blick in die Historie werfen.

00:13:56: Die Untersuchung der Akten zeigt sehr deutlich dieser Angriff fiel nicht aus heiterem Himmel.

00:14:01: Nee ganz und gar nicht.

00:14:03: Berlins digitale Infrastruktur hatte eine chronische Verwundbarkeit die sich wie ein roter Faden durch das letzte Jahrzehnt zieht.

00:14:11: Wir sprechen nicht von einem Einzelfall, sondern fast schon von einer Kultur der Nachlässigkeit.

00:14:17: Die Historie ist wirklich erdrückend!

00:14:19: Wenn wir nun mal ins Jahr Zwei-Tausend Fünfzehn zurückgehen... Der große Heck des Bundestages.

00:14:24: Oh ja das war riesig.

00:14:25: Damals flossen sechzehn Gigabyte an Daten ab.

00:14:29: Nach offizieller Einschätzung der Sicherheitsbehörden stechte die Gruppe APT-Achtundzwanzig dahinter, die dem russischen Militärgeheindienst GRU

00:14:37: zugeordnet wird.

00:14:38: Und dass war auch menschliches Versagen oder?

00:14:40: Ja, Speerfishing.

00:14:42: Hochgradig personalisierte E-Mails die Aussagen als kämen sie von den Vereinten Nationen.

00:14:46: Das gesamte IT System des Parlaments musste für Tage vom Netz genommen und neu aufgebaut werden.

00:14:52: Man sollte meinen, daraus hätte die Politik gelernt.

00:14:55: Aber schauen wir uns mal das Jahr Zwei Tausend Neunzehn an!

00:14:58: Das Kammergericht Berlin wird Opfer einer Infektion mit Emotet und Trickbot.

00:15:03: Ein absolutes Desaster.

00:15:05: Wenn man den forensischen Abschlussbericht liest Da fasst man sich an den Kopf Das Problem war nicht nur die Malware.

00:15:12: Das Gericht hatte sich zuvor ganz bewusst dagegen entschieden, sich an das hochsichere Zentralnetz des Berliner IT-Dienstleisters anzuschließen.

00:15:20: Und die Begründung?

00:15:21: Man berief sich auf die richterliche Unabhängigkeit.

00:15:24: Eine juristische Argumentation, die technisch in einer Katastrophe endete.

00:15:29: Es fehlte im Netzwerk des Kammergerichts an den grundlegendsten Sicherheitsstandards.

00:15:33: Keine

00:15:33: Netzwerkssegmentierung – nichts

00:15:35: Genau, normale Richter hatten auf ihren Arbeitsrechnern volle lokale Administratorechte.

00:15:40: Wenn also ein einziger Rechner infiziert wurde hatte die Schadsoftware quasi einen Generalschlüssel

00:15:46: Und die Konsequenz war grotesk.

00:15:49: Das höchste Berliner Gericht arbeitete monatelang fast ausschließlich analog mit Stiftpapier und Faxgeräten Während die IT versuchte das Chaos aufzuräumen.

00:16:00: Und die Warnschüsse hörten ja nicht auf.

00:16:03: Die Technische Universität Berlin, ein klassischer Ransomware-Angriff.

00:16:08: Die Windows-Systeme fielen aus – über fünftausend Dokumente waren weg und die Schäden beliefen sich auf fast eine halbe Million Euro.

00:16:16: Und die Federanalyse klang genau wie beim Kammergericht.

00:16:20: Mangelnde Absicherung, administrativer Rechte und zu reichende Trennung der Netzbereiche.

00:16:26: Es wiederholt sich immer wieder.

00:16:27: Wenn

00:16:28: man diese historischen Puzzleteile zusammenfügt, von Jahrzehnteinzehn über das Kammergericht Zwei-Tausendneunzehn die TU zwanzig einundzwanzig bis hin zu diesem massiven fünf Komma acht Terabyte Abfluss im Jahr zwanzzig sechsundzwantig dann muss man der Realität echt ins Auge fassen.

00:16:46: Das Problem ist vielleicht gar nicht primär dass Hecker wie Reisida technisch immer unbesiegbarer werden?

00:16:52: dass wir die digitale Haustür bestenfalls anlehnen, anstatt sie richtig abzuschließen.

00:16:59: Ein sehr treffendes Bild!

00:17:01: Um nochmal auf diese Klartext-Passwortliste auf dem Netzlaufwerk zurückzukommen Das ist nicht einfach nur ein kleiner Fehler – das ist als würde die Regierung den Masterschlüssel für das gesamte Gebäude gut sichtbar unter die Fußmatte legen und noch einen leuchtenden Pfeil daneben aufstellen.

00:17:18: Ja genau so ist es.

00:17:20: Wenn die Grundlagen der Datenhygiene so eklatant ignoriert werden, kann auch die teuerste Feierwohl nichts ausrichten.

00:17:26: Das ist die bittere aber notwendige Schlussfolgerung aus dieser Untersuchung.

00:17:31: Egal ob es das fehlende Segmentieren beim Kammergericht war oder die ungesicherten Passworter bei der Senatsverwaltung – die strukturellen Fehler wiederholen sich erschreckend konstant.

00:17:41: Leider ja!

00:17:42: Methoden wie Terminal Fix funktionieren nur deshalb so effizient, weil der Mensch als Schnittstelle oft allein gelassen oder durch schlechte Prozesse überfordert wird.

00:17:50: Tätergruppen wissen genau das eine saubere technische Infrastruktur viel Aufwand erfordert um geknackt zu werden.

00:17:57: Der Weg des geringsten Widerstands ist immer der Mitarbeiter der unter Zeitdruck steht und die Tür öffnet.

00:18:02: Das stimmt.

00:18:02: Das nächste Mal, wenn du vor deinem Bildschirm sitzt.

00:18:05: Eine Seite blockiert wird und du reflexartig auf Zulassen klickst um einfach weiterzuarbeiten halte für eine Sekunde inne frag dich und du dir absolut sicher bist wem du in diesem Moment die Tür öffnest Denn der Fall Berlin hat auf dramatische Weise bewiesen Wenn die Daten erst einmal draußen sind gibt es keinen Weg mehr zurück.

00:18:23: Kein Backup der Welt kann dieses Vertrauen wieder herstellen.

00:18:26: Vielen Dank dass Du bei dieser Folge dabei warst.

00:18:28: Denkt daran, Cyber-Sicherheit beginnt nicht erst beim großen Angriff sondern bei den kleinen Entscheidungen im Alltag.

00:18:36: Wenn dir die Folge gefallen hat abonniere den Podcast und teile ihn gerne mit Freunden, Kolleginnen und Kollegen.

00:18:42: Schreib uns auch gerne deine Gedanken zur Folge oder deine Ideen für eine der nächsten Episoden.

00:18:48: Bis zum nächsten Folge bleib aufmerksam und digital sicher!

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