#8 Der falsche Traumjob – Wenn Recruiter zu Angreifern werden

Shownotes

Thema der Folge: Fake-Recruiting, Social Engineering und Angriffe über berufliche Netzwerke.

Wichtige Punkte:

  • Warum Fake-Recruiter so überzeugend wirken können
  • Wie Angreifer LinkedIn und andere berufliche Netzwerke missbrauchen
  • Welche Rolle Jobangebote, Links, PDFs, Anhänge und Testaufgaben spielen
  • Warum aus einem privaten Jobkontakt schnell ein Unternehmensrisiko werden kann
  • Wie Unternehmen, Mitarbeitende und IT-Abteilungen sich besser schützen können

Empfehlungen:

  • Jobangebote und Recruiter-Profile kritisch prüfen
  • Keine unbekannten Dateien oder Links ungeprüft öffnen
  • Auffällige Kontakte intern melden
  • MFA nutzen und Rechte im Unternehmen begrenzen
  • Mitarbeitende regelmäßig für Social Engineering sensibilisieren

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00:00:00: Dieser Podcast wurde inhaltlich von Nikolaus Stapels zusammengestellt.

00:00:05: In dieser Reihe erzählen wir wahre Geschichten aus der Welt, der Cyberkriminalität, der IT-Sicherheit und digitaler Risiken.

00:00:14: Es sind Geschichten die zeigen wie schnell Unternehmen verwundbar werden können und wie wichtig es ist aus den Fehlern anderer zu lernen bevor man selbst betroffen ist.

00:00:24: Hallo ich bin Nora

00:00:25: Und Ich Bin Nico.

00:00:26: Also stell dir mal vor, du bekommst das absolut perfekte Jobangebot.

00:00:32: Traumgehalt, richtig exzellente Konditionen alles remote und das Ganze bei einem richtig bekannten Player in der Tech-Branche.

00:00:40: Ja so ein Angebot wo man eigentlich gar nicht nein sagen kann?

00:00:43: Genau!

00:00:44: Und der ganze Rekrutierungsprozess wirkt total markelos.

00:00:47: die Leute sind super professionell Alles sieht legitim aus.

00:00:51: aber dann der finale Klick auf diesem Arbeitsvertrag Der führt halt nicht zum neuen Job.

00:00:56: Sondern in dem Fall zu einer absoluten Katastrophe, richtig!

00:01:01: Diese eine kleine Klick löst einen Domino-Effekt aus und am Ende steht da einfach mal ein Verlust von über eine halben Milliarde Dollar.

00:01:10: Ähm ja das klingt jetzt wie aus so einem Hollywood-Skript aber das ist halt...das ist dokumentierte Realität?

00:01:17: Absolut und genau das schauen wir uns in unserer heutigen Analyse mal genauer an.

00:01:22: Wir haben hier wirklich einen massiven Stapel an Forensikberichten und Threat Intelligence-Analysen vor uns liegen.

00:01:27: Ja, unser Ziel heute ist es diese hochkomplexen Social Engineering-Kampagnen mal komplett zu dekonstruieren – also zu zeigen wie Netzwerke, wie LinkedIn plötzlich als Waffe gegen Fachkräfte eingesetzt werden.

00:01:41: Wobei

00:01:41: wir da direkt am Anfang was ganz wichtiges klarstellen müssen.

00:01:44: Richtig!

00:01:45: Also ganz wichtig, LinkedIn selbst wurde hier nicht gehackt?

00:01:48: Die Infrastruktur der Plattform war immer sicher.

00:01:51: Plattform ist eigentlich nur die Bühne, oder?

00:01:53: Ja genau.

00:01:54: LinkedIn fungiert hier quasi ausschließlich als so ein etablierter Vertrauensraum.

00:01:58: Wir alle gehen dahin um Karriere zu machen.

00:02:00: wir sind offen für professionelle Nachrichten und die Angreifer missbrauchen einfach diese grundsätzliche Offenheit um Leute in die Falle zu locken!

00:02:09: Und wie verheerend das sein kann das sehen wir am besten an diesem wahnsinnig prominenten Fall aus dem März Exy Infinity.

00:02:18: Ah ja, das Play-to-Earn Spiel!

00:02:20: Das war damals ein riesiger Hype.

00:02:21: Oh

00:02:21: ja, entwickelt von Sky Mavis und die haben damals innerhalb kürzester Zeit Kryptowährungen im Wert von ich glaube rund sixhundertzwanzig Millionen Dollar verloren?

00:02:33: Ja, das waren über hundertsebzig tausend Ethereum und noch zig Millionen in USDC – ein absoluter Wahnsinn.

00:02:41: Und

00:02:41: wenn man so eine Schadensumme hört Dann denkt man doch sofort an so einen massiven Hackerangriff, oder?

00:02:46: Irgendeinen Zero-Day exploit in den Servern wo sich Leute nachts durch die Firewalls gehackt haben.

00:02:52: Klar

00:02:53: das ist immer der erste Gedanke aber die forensische Realität dieser halt komplett anders aus.

00:02:58: Die US Behörden haben las recht schnell der nordkoreanischen Lazarusgruppe zugeordnet

00:03:04: APT-III, genau.

00:03:05: Richtig!

00:03:06: Und die haben gar nicht erst versucht irgendwie frontal die Firewalls von Sky Mavis anzugreifen.

00:03:11: das wäre viel zu aufwendig gewesen.

00:03:13: Warum

00:03:13: sich die Mühe machen wenn man einfach durch die Vordertür spazieren kann?

00:03:15: Exakt Die haben sich einfach das weichste Ziel in der ganzen Verteidigungslinie gesucht und das ist nun mal der menschliche Faktor aber eben ein Faktormitt richtig privilegiertem Zugang.

00:03:26: Also haben sie sich einen leitenden Entwickler rausgepickt über LinkedIn

00:03:30: Genau Unter dem Deckmantel von irgendwelchen fiktiven Rekrutern haben die den angeschrieben.

00:03:35: Und

00:03:35: was mich beim Lesen dieser Berichte echt schockiert hat, ist diese extreme Geduld der Täter!

00:03:41: Wir reden hier nicht von einer kurzen Fishing-Mail – Dieser Entwickler hat über Wochen hinweg mehrere simulierte Interviewrunden durchlaufen.

00:03:48: Ja, die haben da richtig Zeit investiert.

00:03:51: Das war ein kompletter gefälschter Bewerbungsprozess

00:03:54: Wahnsinn.

00:03:55: und am Ende kam dann dieses lukrative Vertragsangebot als PDF Und dieses PDF war natürlich präpariert.

00:04:02: Aber da muss ich kurz einhaken, da klafft doch irgendwie eine technische Lücke!

00:04:06: Inwiefern?

00:04:07: Naja wie führt denn die Infektion von einem einzigen Entwickler-Laptop dazu dass die Angreifer plötzlich die kryptografischen Schlüssel von vier Validator Notes der Blockchain kontrollieren?

00:04:17: Das ist doch ein riesiger Sprung.

00:04:19: Ja das ist tatsächlich der kritische Punkt in der ganzen Architektur gewesen.

00:04:24: Exi nutzte die Ronin-Blockchain.

00:04:27: Und die lief über ein sogenanntes Proof of Authority Verfahren.

00:04:31: Okay, das heißt es gab bestimmte Server, die Transaktionen absegnen mussten?

00:04:37: Richtig!

00:04:37: Das sind diese Validatoren.

00:04:39: Neun Stück gab's insgesamt und um das Netzwerk zu übernehmen und das Geld abzuziehen brauchte man die Mehrheit also fünf von neun Signaturen.

00:04:48: Aha okay und der Entwickler hatte vier davon.

00:04:51: Genau Der kompromittierte Rechner war offenbar nicht ausreichend vom Kernnetzwerk getrennt,

00:04:57: d.h.,

00:04:57: der Entwickler hatte entweder noch aktive hochprivilegierte SSH-Sitzungen offen oder – was noch schlimmer wäre – diese privaten Schlüssel lagen einfach unverschlüsselt bei ihm lokal rum.

00:05:09: Uff!

00:05:10: D.h.

00:05:10: diese Malware in dem PDF war eigentlich nur ein Remote Access Trojaner, der genau diese lokal gesprecherten Zugangsdaten abgesaugt hat…

00:05:19: Exakt!

00:05:20: Die Angreifer hatten also plötzlich vier Schlüssel.

00:05:23: Aber du hast ja gerade gesagt, sie brauchten fünf... Also fehlte ihnen ja eigentlich noch einer um den Raub überhaupt durchzuziehen?

00:05:29: Ja und diesen fünften Schlüssel haben Sie sich über eine administrative Altlast geholt.

00:05:35: das ist eigentlich fast noch tragischer.

00:05:37: Oh nein Erzähl.

00:05:38: SkyMavis hatte Monate davor, also im November, der sogenannten XCDAO erlaubt Transaktionen abzusignieren – das war so eine Notlösung wegen eines massiven Nutzeransturms.

00:05:53: Und diese Berechtigung haben die dann einfach vergessen wieder zu löschen?

00:05:57: So ziemlich!

00:05:58: Das sollte eigentlich in Dezember enden aber die Zugriffsrechte auf den Smart Contracts wurden nie formell widerrufen.

00:06:06: Die Hacker waren jetzt eh im internen Netzwerk, haben diese Hintertür gefunden und zack hatten sie die fünfte Signatur.

00:06:12: Okay das ist technisch echt bestechend effizient.

00:06:15: aber also was ich mich dabei die ganze Zeit frage wir reden hier von einem erfahrenen Seniorentwickler bei einem Krypto unternehmen?

00:06:22: Ja!

00:06:22: Die Leute sind doch eigentlich total auf IT-Sicherheit gedrillt.

00:06:26: Das ist für mich so als würde man ein trojanisches Pferd nicht nach Zheimlich durchs Tor schieben sondern tagsüber feierlich als Lotteriegewinn verpackt übergeben.

00:06:35: Wie kann so jemand darauf reinfallen?

00:06:37: Das nennt sich Executive Impersonation.

00:06:40: Die Klonen einfach existierende Führungskräfte oder HR-Manager, die nehmen deren echte Fotos, ihren Firmennamen kopieren, deren Art zu schreiben...

00:06:48: Und dann locken sie mit wahnsinnig viel

00:06:50: Geld?!

00:06:50: Genau!

00:06:51: Die bieten Remote Jobs mit Geheltern an, die absurd hoch sind – da redet man teilweise von fünfzig bis hundert Dollar die Stunde und das zielt halt auf unsere kognitiven Verzerrungen ab….

00:07:02: Also schaltet die Gier sozusagen das kritische Denken aus?

00:07:05: Gier

00:07:06: oder auch einfach das Gefühl von Anerkennung.

00:07:08: Wenn dir jemand sagt, wir wollen unbedingt dich du bist ein Top-Talent dann sinkt einfach die Wachsamkeit selbst bei absoluten IT-Profis

00:07:15: Was mir in unseren Quellen auch direkt ins Orgel gesprungen ist Die versuchen immer extrem schnell die Konversation von LinkedIn wegzukriegen.

00:07:23: Die wollen dann plötzlich auf WhatsApp oder Telegram weiterreden.

00:07:26: Ja!

00:07:27: Das is'n ganz zentrales Element von dieser Masche.

00:07:29: Aber da müssen doch, also ganz ehrlich.

00:07:31: Da müssen doch alle Alarmglocken schrillen wenn mir jemand angeblich vierzig Prozent mehr Gehalt bietet und dann sagt Lass mal auf WhatsApp weiter schreiben.

00:07:39: Eigentlich schon aber die Täter verpackten das wahnsinnig geschickt.

00:07:44: Die bauen massiven Zeitdruck auf.

00:07:46: Da heißt es dann dass ist ein VIP Fast Track Verfahren.

00:07:49: Wir haben nur noch einen Slot für das Interview morgen.

00:07:52: Schicken sie mir den Lebenslauf direkt hier.

00:07:54: Ah und durch diesen Stress hinter fragt man das dann nicht mehr

00:07:58: Richtig.

00:07:59: Und es gibt auch eine handfesten technischen Grund für diesen Plattformwechsel.

00:08:03: LinkedIn hat extrem gute automatisierte Sicherheitsscanner, die gleichen Dateienhänge sofort mit globalen Datenbanken ab.

00:08:11: Verstehe!

00:08:12: Auf WhatsApp operieren sie dann in so einer Ende zu Ende verschlüsselten Blackbox – da prüft kein Algorithmus mehr das PDF.

00:08:19: Genau so ist's.

00:08:20: Sobald du im Messenger bist fliegt der Scammer quasi komplett unter dem Radar der Corporate LT.

00:08:25: Aber die Sicherheitslösungen oft hinreichen an selbst, also EDR-Systeme und so.

00:08:30: Die werden ja auch immer besser im Erkennen von bösartigen PDFs.

00:08:33: Da haben sich die Angreifer doch bestimmt schon wieder was Neues ausgedacht oder?

00:08:37: Ohja absolut!

00:08:38: Und das bringt uns zu so Kampagnen wie DefPoper oder dem sogenannten Contagious Interview.

00:08:44: Da geht es schon lange nicht mehr um einfache PDF's.

00:08:47: Ah, dass ist dieser Co-Test richtig wo der Angriff wirklich tief in den Arbeitsalltag des Entwicklers eingebettet wird.

00:08:54: Genau, der Bewerber bekommt vor dem eigentlichen Interview ein technisches Assessment.

00:08:59: Ein Pre-Interview Code Review.

00:09:02: Er kriegt einen Link zu einem Gitterpropositorium und soll da mal eben den Code analysieren.

00:09:07: Das klingt für einen Entwickler ja völlig normal – das ist Alltag in der Branche

00:09:11: Eben!

00:09:12: Und das Repository sieht auch komplett legitim aus.

00:09:15: Da sind dann irgendwelche vollfunktionsfähigen React Apps oder Web Three Dashboards.

00:09:19: Der Code an sich ist auch meistens sauber strukturiert

00:09:23: Okay, aber wenn der Source Code sauber ist, wo ist dann die Falle?

00:09:27: Die Schadsoftware muss ja irgendwo versteckt sein.

00:09:29: Die Täter wissen ganz genau was der allererste Reflex von einem Entwickler ist... ...wenn er sich ein neues Projekt sieht!

00:09:36: Er öffnet das Terminal und tippt NPM Install ein.

00:09:39: Klar

00:09:40: um die ganzen Abhängigkeiten runterzuladen damit das Projekt überhaupt läuft.

00:09:44: Und genau da schnappt die Falle zu.

00:09:46: Die eigentliche Malware versteckt sich tief in der Package JSON-Datei, genauer gesagt in den sogenannten Preinstall oder Post-Install-Scripten.

00:09:56: Warte mal das sind doch eigentlich legitime Funktionen?

00:09:58: Eigentlich ja!

00:09:59: Man nutzt es oft um irgendwelche C++ Minusbibliotheken vor dem Start zu kompilieren – aber die Angreifer missbrauchen das.

00:10:06: Sie hinterlegen dort stark obfusskierte also verschleiertes Strings meistens Basics die vorkodiert.

00:10:13: Das heißt, auf den ersten Blick sieht das gar nicht nach Schadcode aus.

00:10:16: Richtig!

00:10:16: Und sobald der Entwickler dann nichts ahnend NPM-Install ausführt, dekodiert das System dieses Strings im Hintergrund heimlich und führt sie aus.

00:10:25: Wahnsinn!

00:10:26: Das ist so als würde eine Autowerkstatt mich beim Bewerbungsgespräch bitten kurz mal einen Motor zu reparieren aber der Schraubenschlüssel, den Sie mir dafür in die Hand drücken kopiert heimlig meine Haustürschlüssel in der Hosentasche.

00:10:38: Das ist ne sehr gute Analogie ja?

00:10:40: Die Payloads, die da geladen werden zum Beispiel Beaver Tail oder Invisible Farad, die zielen ganz spezifisch auf das ab was Entwickler auf ihren Rechnern haben.

00:10:49: Also Quellcode, SSH Keys, Crypto Wallets und so weiter...

00:10:53: Genau!

00:10:53: Und das perfide an Beaver tail ist dass es gezielt nach Cloud Credential sucht also zum beispiel AWS Tokens oder Azure Schlüssel die oft einfach im Klartext irgendwo in lokalen Konfigurationsdateien herum liegen.

00:11:06: Oh Gott Und das passiert alles unbemerkt im Hintergrund.

00:11:10: Aber in den Quellen gab es noch so eine andere total verrückte Methode, die direkt während des Videointerviews passiert.

00:11:15: Ah!

00:11:16: Du meinst den Trick mit der Kamera?

00:11:18: Ja… Das ist auch extrem frech.

00:11:20: Erzähl das mal – das fand ich echt krass.

00:11:22: Also du sitzt in diesem Live-Video-Interview, teilst deinen Bildschirm um irgendwas zu präsentieren und plötzlich ploppt eine Fehlermeldung auf.

00:11:31: Kameratreiber veraltet.

00:11:33: Und die Interviewersagen dann ….

00:11:35: Oh, kein Problem.

00:11:36: Kopieren Sie einfach diesen kurzen Befehl ins Terminal dann geht das wieder!

00:11:39: Genau die fordern dich auf ein kurzes Skript auszuführen um das Problem angeblich zu fixen

00:11:45: Und weil man in dem Moment ohnehin mega gestresstes und einfach nur technisch kompetent wirken will macht man das ohne nachzudenken.

00:11:51: Exakt der Gehorsam gegenüber dem Interviewer schaltet in dem moment jede analytische Vorsicht komplett aus.

00:11:58: Der Befeil wird pastiert und zack Die Malware ist installiert.

00:12:02: Das zeigt einfach, wie krass psychologisch diese Kampagnen aufgebaut sind.

00:12:07: Aber – und das finde ich jetzt super spannend – die Angreifer zielen ja gar nicht nur auf Entwickler ab!

00:12:12: Die drehen den Spieß teilweise auch um.

00:12:14: Richtig, dass ist der Rollentausch.

00:12:17: Anstatt sich als Recruiter auszugeben, schlöpfen die Täter in die Rolle der Bewerber.

00:12:21: Genau, das bringt uns zum HR-Departement….

00:12:24: Das Fadenkreuz verschiebt sich.

00:12:26: Wir haben hier diese Berichte über die More Eggs-Kampagne gelesen, dahinter steckt wohl so ein Netzwerk namens Golden Chickens oder auch Venom Spider?

00:12:34: Ja das ist eine extrem professionelle Gruppierung!

00:12:38: Die Scan-Blatformen nach ganz realen hochspezialisierten Stellen Ausschreibungen.

00:12:43: Also.

00:12:43: sie suchen gezielt nach offenen Jobs zum Beispiel bei großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Anwaltskanzleien oder im Aerospace Sektor

00:12:51: Genau.

00:12:52: und dann Schicken Sie maßgeschneiderte Bewerbungsunterlagen über LinkedIn oder andere Portale direkt an die Personalverantwortlichen.

00:13:00: Und da muss ich wieder kritisch einhaken?

00:13:03: Es ist ja buchstäblich der verdammte Job einer Personalabteilung, Lebensläufe von völlig fremden Menschen zu öffnen!

00:13:10: Wie sollen sie das denn vermeiden ohne aufzuhören zu

00:13:12: arbeiten?!

00:13:12: Das ist genau das Problem, was die Angreifer ausnutzen.

00:13:16: Die HR-Meterbeiter müssen diese Dateien öffnen und die Täter schicken oft einen Zipparchiv.

00:13:22: darin ist aber kein normales PDF

00:13:24: sondern

00:13:25: eine manipulierte Windows Verknüpfung Eine sogenannte LNK-Datei.

00:13:30: Die ist so präpariert dass sie aussieht wie ein pdf oder ein word Dokument.

00:13:34: Okay Und wenn der Personaler da doppelt draufklickt

00:13:37: dann öffnet sich zur Täuschung auch tatsächlich ein völlig harmloser Lebenslauf.

00:13:42: Der Mitarbeiter denkt, alles ist gut.

00:13:44: Aber im Hintergrund passiert was ganz anderes?

00:13:46: Wobei wenn da plötzlich ein Schadcode ausgeführt wird, müssten moderne Virenscanner oder EDR-Systeme das doch eigentlich sofort killen, oder?

00:13:53: Würden sie auch, wenn es eine unbekannte Exedatei wäre!

00:13:56: Aber hier nutzen die Täter eine Technik, die nennt sich Living of the Land.

00:14:00: Okay, das musst du erklären.

00:14:02: Das bedeutet Sie bringen gar keine eigene ausschürbare Dateien mit auf den Rechner.

00:14:06: Stattdessen nutzen sie Programme, die eh schon in Windows eingebaut sind.

00:14:10: Im Fall von MoorX wird extrem oft ein Prozess namens iIVuinit.exe missbraucht.

00:14:16: Warte mal das ist doch dieses alte Tool, dass eigentlich für das Setup von Internet Explorer-Komponenten gedacht war oder?

00:14:21: Korrekt genau das!

00:14:22: Und dieses Programm akzeptiert Parameter.

00:14:25: Die präparierte LNK Datei übergibt dieser iIVinit.x einfach eine bösartige Infdatei.

00:14:32: Ah,

00:14:32: und weil dieses iIV Unity-Programm eine gültige vertrauenswürdige Microsoft Signatur hat stuft die Sicherheitssoftware das Ganze erstmal als sicher ein.

00:14:41: Ganz genau!

00:14:42: Unter dem Deckmantel dieses legitimen Windows Prozesses lädt die Inf Datei dann die eigentliche More-X Backdoor still und heimlich aus dem Internet runter, installiert sie im Speicher und nistet sich tief in den HA Rechner ein.

00:14:55: Das ist ja diabolisch –

00:14:57: d.h.,

00:14:57: die nutzen das eigene Betriebssystem

00:15:00: Ja, und plötzlich hat der Angreifer Zugriff auf das interne Unternehmensnetzwerk.

00:15:05: Über den Rechner der Personalabteilung.

00:15:07: Okay?

00:15:08: Das führt uns aber unweigerlich zu der großen Frage der Prävention!

00:15:12: Wie schützt man sich davor ohne jetzt komplett in Paranoia zu

00:15:15: verfallen?!

00:15:15: Ich meine wir haben ja gerade festgestellt Wir können dem HR-Team schlecht verbieten Bewerbungen zu öffnen.

00:15:20: Nein...das geht natürlich nicht….

00:15:23: Die Abwehr muss auf einer tieferen, architektonischen Ebene stattfinden.

00:15:27: Da reden wir dann vom sogenannten Zero-Trust Hiring.

00:15:31: Also traue niemandem nicht mal deinen eigenen Geräten

00:15:35: Sozusagen.

00:15:36: Es geht um kompromisslose Netzwerkssegmentierung.

00:15:39: Wir müssen einfach davon ausgehen dass HR Rechner irgendwann infiziert werden weil sie nunmal an der vordersten Front stehen.

00:15:47: Okay, das heißt wenn der HR-Rechner infiziert ist darf das einfach keine Auswirkungen auf den Rest haben.

00:15:53: Richtig!

00:15:54: Ein infizierter HR Account darf niemals auch nur ansatzweise Zukunft auf die Kernsysteme haben.

00:16:00: Keine Routen zur Quellcode Repositories keinen Zugang zu Produktionsservern oder Kundendatenbanken.

00:16:06: Die Rechte müssen nach dem Prinzip der geringsten Rechter also dem Least Privilege Principle absolut strikt limitiert sein.

00:16:13: Das ergibt total Sinn.

00:16:15: Das dämmt den Schaden direkt ein.

00:16:17: Und was ist mit diesen EDR-Systemen, die wir eben angesprochen haben?

00:16:20: Wenn sie sich auf Signaturen nicht verlassen können?

00:16:23: Die müssen zwingend verhaltensbasiert arbeiten!

00:16:26: Wenn einen Setupprozess wie unsere iForYouEinet.exe plötzlich anfängt, Netzwerkverbindungen zu irgendwelchen unbekannten IP-Adress in Osteuropa aufzubauen...

00:16:37: ...oder versucht im Hintergrund PowerShell Skripte auszuführen

00:16:40: Genau – dann muss das EDR System den Endpoints sofort isolieren Völlig egal, ob da ein Microsoft-Stempel drauf ist oder nicht.

00:16:48: Und typisches Verhalten muss sofort geblockt werden!

00:16:57: Ja?

00:16:57: Da gibt es ein paar ganz klare Regeln... Wenn man ein Code aus unbekannten Quellen testen soll, dann darf man das niemals auf der primären Arbeitsmaschine tun.

00:17:06: Da wo die ganzen SSH-Schlüssel und Cloud-Token liegen...

00:17:09: Sondern?

00:17:10: ...

00:17:10: wenn ihr NPM Install ausführt gewöhnt euch an das Flag Ignore Scripts dran zu hängen.

00:17:17: Ah!

00:17:18: Das blockiert dann diese automatische Ausführung der bösartigen Pre- und Postinstall Skripte in der Package.json

00:17:24: Exakt.

00:17:25: Das schließt diesen speziellen Angriffsvektor quasi komplett!

00:17:30: Wenn man das Grip wirklich braucht, kann man es nach einer manuellen Überprüfung immer noch starten – aber es passiert nicht mehr automatisch.

00:17:37: Super wichtig….

00:17:38: Aber lass uns zum Schluss nochmal kurz eine Ebene höher gehen.

00:17:40: Wir haben jetzt viel über Technik und Mitarbeiter geredet.

00:17:43: Was bedeutet das eigentlich für die strategische Risikobewertung?

00:17:46: Also für IT-Berater oder auch Cyberversicherer?

00:17:49: Foodie ändert sich gerade alles.

00:17:51: Traditionell wurde der Rekrutierungsprozess eher als administrative Funktion mit geringem Risiko betrachtet.

00:17:59: So nach dem Motto – oh, HR macht das schon!

00:18:02: Ja, dass bisschen Lebenslauf lesen?

00:18:04: Genau.

00:18:05: Aber durch diese hochgradig zielgerichteten Spearfishing-Angriffe über LinkedIn mutiert das Recruiting jetzt zu einem der kritischsten Einfallstore überhaupt.

00:18:15: Das heißt ein Unternehmen, das heute kein verhaltensbasiertes IDR hat und sein HR-Netzwerk nicht strikt segmentiert, ist eigentlich ein wandelndes Risiko.

00:18:24: Absolut!

00:18:26: Und das wird sich in Zukunft unweigerlich in den Versicherungsprämien niederschlagen – wer da nicht aufrüstet, wird ein Problem bekommen.

00:18:33: Das ist wirklich krass.

00:18:35: Wir sehen einfach dass sich diese Bedrohungslandschaft massiv verschoben hat.

00:18:39: Die stärkste Firewall und die komplexeste Kryptografie nützen einem am Ande gar nichts wenn der Zugang über den Browser eines Mitarbeiters erfolgt Eines Mitarbeiters, der eigentlich nur glaubt gerade seinen nächsten großen Karrierer Schritt zu machen.

00:18:53: Ja die Angreifer haben verstanden dass Hoffnungen und Träume die besten exploit sind.

00:18:59: Die Trennenlinie zwischen unserer privaten Karriereplanung Und der Sicherheit unseres Arbeitgebers die existiert de facto einfach nicht mehr.

00:19:08: Ein völlig isoliert geglaubter Klick abends gemütlich auf der Couch beim Scrollen durch LinkedIn Der kann am nächsten Montagmorgen das gesamte Unternehmensnetzwerk lahmlegen.

00:19:18: Die größte Schwachstelle ist oft unsere eigene Hoffnung auf den Traumjob.

00:19:22: Vielen Dank, dass du bei dieser Folge dabei warst!

00:19:25: Denk daran – Cyber-Sicherheit beginnt nicht erst beim großen Angriff sondern bei den kleinen Entscheidungen im Alltag.

00:19:31: Wenn dir die Folge gefallen hat abonniere den Podcast und teile ihn gerne mit Freunden, Kolleginnen und Kollegen.

00:19:37: Schreib uns auch gerne deine Gedanken zur Folge oder deine Ideen für eine der nächsten Episoden.

00:19:42: Bis zur nächsten Folge.

00:19:43: bleib aufmerksam und digital sicher.

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