#9 Der Exchange-Server-Hack 2021 – Als der E-Mail-Server zur Hintertür wurde
Shownotes
Thema der Folge: Microsoft Exchange, ProxyLogon und HAFNIUM 2021.
In dieser Episode geht es um:
- warum E-Mail-Server zentrale Angriffsziele sind
- was ProxyLogon und HAFNIUM 2021 so relevant machte
- was Zero-Day-Schwachstellen bedeuten
- wie Webshells als Hintertüren genutzt werden können
- warum Patchen wichtig ist, aber nicht immer ausreicht
- welche Rolle Monitoring, Log-Analyse und Incident Response spielen
- welche Lehren Unternehmen aus dem Exchange-Vorfall ziehen sollten
Transkript anzeigen
00:00:00: Dieser Podcast wurde inhaltlich von Nikolaus Stapels zusammengestellt.
00:00:04: In dieser Reihe erzählen wir wahre Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität, der IT-Sicherheit und digitaler Risiken.
00:00:11: Es sind Geschichten die zeigen wie schnell Unternehmen verwundbar werden können – und wie wichtig es ist, aus den Fehlern anderer zu lernen bevor man selbst betroffen ist!
00:00:20: Hallo ich bin Nora.
00:00:23: Stell dir mal vor, es ist ein völlig normaler Büromorgen, sagen wir Anfang-Zweitausend-Einundzwanzig.
00:00:29: Du kommst mit deiner ersten Tasse Kaffee an den Schreibtisch und klappst den Laptop auf!
00:00:33: Genau der ganz normale Wein sind am Morgen.
00:00:35: Ja die E-Mails trudeln so ein Kalendertermine werden hin und her geschoben Rechnungen und Angebote werden verschickt alles wirkt absolut ruhig.
00:00:44: Also da is kein lauter Knall keine flackernen Bildschirm oder so
00:00:48: Und schon gar keine dramatische Erpressern.
00:00:49: Nachricht, die da plötzlich aufpoppt
00:00:51: Richtig, doch unbemerkt im Hintergrund.
00:00:53: Tief auf dem E-Mail-Server deines Unternehmens findet in genau diesem Moment ein massiver digitaler Einbruch statt und die einzigen Zeugen sind leise völlig unauffällige Zeilen in irgendwelchen riesigen Lockdateien...
00:01:10: ...die wahrscheinlich auch niemand jemals liest?
00:01:12: Genau!
00:01:13: Und um hier direkt mal die technische Ausgangslage zu klären, wir blicken heute nämlich nicht auf Microsoft Three Hundred Sixty-Five oder irgendwelche Clouddienste, die weit weg bei großen Anbietern liegen.
00:01:23: Wichtiger Punkt ja!
00:01:25: Es geht heute wirklich um Systeme, die physisch in den Unternehmen stehen – also sogenannte On-Premises Server.
00:01:31: Quasi DIE Dinger im eigenen Keller?
00:01:33: Exakt.
00:01:34: Konkret sprechen wir über Microsoft Exchange Server, die halt lokal im eigenen Rechenzentrum oder von lokalen IT-Dienstleistern betrieben werden.
00:01:43: Und das entscheidende Merkmal dieser Systeme ist, dass sie direkt aus dem offenen Internet erreichbar sind.
00:02:09: digitales Fließband zu betrachten, das einfach nur Textnachrichten transportiert.
00:02:15: Aber wenn man genauer hinsieht, bündelt dieses eine System die gesamte Unternehmensidentität.
00:02:22: Da liegen ja nicht nur Kundenkontakte?
00:02:24: Nee absolut nicht!
00:02:25: Da liegen sensible Vertragsanhänge, interne Freigaben.
00:02:29: und vor allem – und das vergessen viele – der Mail-Server ist der Schlüsselmeister.
00:02:34: Oh ja, die Passwort-Resets.
00:02:36: Genau das!
00:02:37: Wenn du bei einem Webdienst, bei deiner Bank oder in der Buchhaltungssoftware auf Passwort vergessen klickst, wo landet dann dieser Resetlink?
00:02:46: Immer im E-Mailpostfach.
00:02:47: Richtig – ein Spion muss sich also überhaupt nicht die Mühe machen komplexe Abteilungsstrukturen zu hacken.
00:02:54: Ein Exchange Server ist quasi wie die zentrale Poststelle eines Unternehmens.
00:03:01: Schönes Bild.
00:03:02: Der Spio setzt sich einfach virtuell in die Poststelle, denn alle Geheimnisse kommen früher oder später genau dort vorbei!
00:03:09: Und diese organisatorische Bedeutung dipaht sich halt mit einer fatalen technischen Notwendigkeit.
00:03:15: Damit dieser Server überhaupt seinen Job machen kann muss er zwingend am Internet hängen...
00:03:20: Also damit ich von zu Hause über das Webinterface auf die Mails zugreifen kann?
00:03:24: Oder
00:03:26: damit dein Smartphone sich
00:03:27: synchronisiert?!
00:03:28: Dafür lauscht der Server permanent auf Port four, vier drei nach eingehenden Verbindungen.
00:03:33: Er steht ununterbrochen im digitalen Schaufenster sozusagen
00:03:36: Und im Internet laufen rund um die Uhr automatisierte Scanner von kriminellen Gruppen oder?
00:03:41: Ja pausenlos!
00:03:43: Die suchen das gesamte Netz systematisch nach genau solchen exponierten Systeme ab.
00:03:47: Das ist keine gezielte Spionage gegen ein spezifisches Unternehmen
00:03:51: Sondern eher so einen riesiges industrielles Trauler-Netz dass alles mitnimmt was verwundbar aussieht.
00:03:57: Exakt.
00:03:58: Und das bringt uns zum Januar, twenty-einenundzwanzig.
00:04:02: Sicherheitsforscher von Defcore und Wolex City bemerken bei einigen ihrer Kunden plötzlich extrem merkwürdige Aktivitäten auf genau diesen Exchange-Servern.
00:04:10: Was
00:04:10: genau war da los?
00:04:11: Naja, da flossen Daten ab – aber auf eine Art und Weise die eigentlich gar keinen Sinn ergibt.
00:04:16: Die Angreifer riefen scheinbar harmlose Dateien im Webordner des Servers auf.
00:04:20: Was für Dateien meinst du da?
00:04:22: Winzige Grafiken oder simple CSS-Dateien, die eigentlich nur dafür dar sind das visuelle Layout der Anmeldeseite hübsch aussehen zu lassen.
00:04:29: Okay,
00:04:30: das klingt auf den ersten Blick als würde jemand die Fußmatte klauen anstatt ins Haus einzubrechen….
00:04:35: Das ist ein guter Vergleich ja!
00:04:37: Aber hinter diesem scheinbar banalen Zugriff verbarkt sich ein echter technischer Albtraum.
00:04:43: Eine sogenannte Zero-Day Schwachstelle.
00:04:45: Holen's da kurz ab, zero day bedeutet die Verteidiger wissen noch gar nichts davon richtig?
00:04:50: Genau!
00:04:51: Das Erschreckende an einem Zero Day ist diese Asymetrie.
00:04:54: Die Angreifer nutzen eine kritische Lücke aktiv aus von der weder Microsoft als Hersteller noch die IT Abteilungen überhaupt wissen dass sie existiert.
00:05:04: Du verteidigst dich also gegen eine Waffe die du gar nicht kennst
00:05:07: Richtig.
00:05:08: In diesem konkreten Fall der Schwachstelle Proxylogon nutzten die Angreifer eines Server-Site Request Forgery aus.
00:05:15: Oh,
00:05:16: das klingt kompliziert!
00:05:18: Ist es auch?
00:05:19: Aber im Grunde haben sie diese kleine harmlose Anfrage an die Layout-Dateien so manipuliert dass der Server sie komplett fehlinterpretiert hat.
00:05:27: Das heißt, der Server nimmt die schädlichen Befehle von außen an und reicht sie intern an sich selbst weiter
00:05:34: Ganz genau In dem Glauben, es sei eine absolut vertrauenswürdige Systemanweisung.
00:05:39: Warte!
00:05:40: Das heißt die knacken das Schloss gar nicht von außen auf?
00:05:43: Das ist ja quasi so als würden Einbrecher vor der Bank stehen, ein Funkgerät zücken und die Stimme des Chefs so perfekt imitieren dass der Wachmann drinnen die Tür von innen öffnet.
00:05:53: Ja
00:05:53: exakt so kann man sich das vorstellen.
00:05:55: Der Angreifer trickst das System aus damit es sich selbst kompromittiert Und die Konsequenz daraus war absolut verheerend.
00:06:04: Durch diesen Mechanismus erlangten die Angreifer sofort höchste Systemrechte, also die sogenannten System-Rechte unter Windows.
00:06:13: Ohne jemals ein Passwort eingegeben zu haben?
00:06:15: Ohne Passwort ohne Benutzernamen zu erraten?
00:06:18: und es gab auch keine zwei Faktor-Autizifiziationen, die sie hätte aufhalten können.
00:06:22: Der Server hat ihn die volle Kontrolle quasi auf dem Silbertablet serviert.
00:06:26: Wahnsinn!
00:06:27: Dann spulen wir mal ein bisschen vor zum zweiten März, da schlägt Microsoft dann weltweit Alarm und veröffentlicht diese außerplanmäßigen Notfallpatches.
00:06:39: Ja der Tag ist vielen Admins im Gedächtnis geblieben?
00:06:42: Das glaube ich!
00:06:43: Man sollte ja meinen das wäre der Moment an dem die IT-Welt aufatmet.
00:06:49: also die Lösung ist da dass Update kann installiert werden und gut
00:06:54: Schön wär's.
00:06:55: Stattdessen eskalierte die Situation an dem Tag erst so richtig.
00:06:58: Sobald Microsoft nämlich erklärte, was dieses Update eigentlich repariert war die Bauanleitung für den Angriff für alle sichtbar.
00:07:04: Ach krass!
00:07:05: Also wussten jetzt alle Hacker wie es geht?
00:07:08: Genau in der Community sagt man we exploit is out of the bag.
00:07:13: Plötzlich wars nicht mehr nur diese hochspezialisierte mutmaßlich staatliche Hackergruppe aus China Die unter dem Namen Haftnehmung operierte
00:07:21: sondern jeder, der einen Scanner bedienen konnte.
00:07:24: Ja innerhalb von Stunden adaptierten über zehn verschiedene kriminelle Gruppierungen diese Methode.
00:07:29: die haben ihre massiven Scanner angeworfen und jeden einzelnen ungepatchten Exchange-Server weltweit angegriffen.
00:07:35: Das muss ein absurdes Wettrennen gewesen sein.
00:07:38: Die Admins versuchen verzweifelt den Ladebalken für das Update auf hundert Prozent zu bekommen während die Angreifer im Minutentakt Server übernehmen.
00:07:46: Es war das absolute Chaos Und hier müssen wir auch über einen riesigen Denkfehler sprechen, den viele damals gemacht
00:07:52: haben.
00:07:52: Welchen meinst du?
00:07:54: Die Illusion des Petchings – exakt!
00:07:57: Viele Administratoren haben Nächte durchgearbeitet, das Update eingespielt, den Server neu gestartet und dann erleichtert einen Haken an die Sache gemacht.
00:08:06: So nach dem Motto Mh, wir haben das Update installiert, wir sind sicher.
00:08:09: Genau aber das Update schließt nur die Lücke.
00:08:12: was dieses Update nicht tut ist jemanden aus dem Netzwerk zu werfen der bereits drin ist.
00:08:18: Ah, verstehe.
00:08:19: Das Abseht.
00:08:19: repariert also nur das kaputte Schloss an der Vordertür?
00:08:22: Ja genau!
00:08:24: Aber das nutzt uns halt gar nichts wenn der Einbrecher längst im Haus ist sich im Keller versteckt und sich schon in eigenen Schlüsseln nachgemacht hat.
00:08:30: Besser kann man es nicht ausdrücken.
00:08:32: Die Angreifer wussten ja genau dass ihre Zeit abläuft sobald der Patch rauskommt.
00:08:37: Ihr primäres Ziel war in dieser Phase also Persistenz
00:08:41: Also dauerhafter Zugriff.
00:08:43: Richtig.
00:08:43: Sie nutzten den ersten Einbruch, um sogenannte Webshells auf den Servern zu hinterlegen.
00:08:49: Eine der bekanntesten hieß da China Chopper.
00:08:52: Webshell?
00:08:53: Das klingt nach einem massiven Programm!
00:08:56: Eben nicht – das darfst du dir nicht als riesiges Schadprogramm vorstellen.
00:08:59: Eine Webshell ist oft nur eine winzige Textdatei teilweise einer einzigen Codezeile die irgendwo tief in den Systemverzeichnissen abgelegt wird
00:09:08: In den Ordneren wo eh Tausende Dateien liegen.
00:09:11: Genau Und wenn der Angreifer später diese unscheinbare Datei über das Internet aufruft, öffnet sich eine Eingabeaufforderung und er hat wieder volle Kontrolle.
00:09:20: Da nützt der beste Patch nichts mehr!
00:09:31: Richtig, das ist auch der Grund warum herkömmliche Anti-Viren Software damals oft total stumm blieb.
00:09:37: Die sucht nach bekannten Virensignaturen – aber so eine Textdatei geht einfach im Rauschen unter!
00:09:46: Wenn die Angreifer sich diese Persistenz dann gesichert haben….
00:09:50: was tun sie eigentlich in den Systemen?
00:09:53: Es gab ja damals so diese Panikmacher dass alle betroffenen Server sofort verschlüsselt werden ….
00:09:57: Das
00:09:57: ist ne super wichtige Differenzierung.
00:09:59: Ein kompromitierter Server führte nämlich nicht zwingend sofort zu einem Ransomware-Vorfall.
00:10:04: Sondern?
00:10:05: Die ersten Akteure wie Hafnium hatten es primär auf Spionage abgesehen, die durchsuchten die Server exportierten Adressbücher und luden ganze Postfächer herunter... Und
00:10:15: dann...?
00:10:16: Der nächste viel gefährlichere Schritt war das sogenannte Lateral Movement also die Seitwärtsbewegung im Netzwerk.
00:10:22: dafür nutzten sie ein Tool um einen sogenannten LSSS Dump durchzuführen.
00:10:27: Okay, warte mal.
00:10:28: Lass uns das kurz aufschlüsseln!
00:10:30: Weil das ist ein extrem mächtiger Hebel.
00:10:33: LSSS steht für den Prozess in Windows der für Sicherheitsrichtlinien und Passwörter zuständig ist oder?
00:10:40: Ganz genau.
00:10:40: Das heißt wenn ich mich morgens an meinem Rechner anmelde speichert Windows mein Passwort im Arbeitsbrecherprozess damit es nicht jedes Mal neu eintippen muss wenn ich auf ein Netzlaufwerk zugreife.
00:10:52: Völlig
00:10:52: korrekt Es ist eigentlich eine reine Komfortfunktion von Windows Aber die wird hier zur massiven Schwachstelle.
00:11:00: Die Angreifer greifen direkt auf den Arbeitsspeicher des Servers zu und kratzen diese Passwörter quasi im Klartext oder als Häschwert daraus.
00:11:07: Ach du meine Güte!
00:11:09: Plötzlich haben sie also die Zugangsdaten von hochrangigen Administratoren, die sich kürzlich am Server angemeldet haben?
00:11:15: Ja... Und mit diesen gestohlenen Schlüsseln verlassen Sie den Emailserver und breiten sich im gesamten restlichen Unternehmensnetzwerk aus.
00:11:25: Die übernehmen dann Domaincontroller und nisten sich wirklich tief ein.
00:11:29: Selbst wenn das Ganze in Anführungszeichen nur bei Spionage bleibt, sind die geschäftlichen Konsequenzen doch katastrophal!
00:11:37: Wir sprechen hier von Angreifern, die wochenlang den internen E-Mailverkehr mitlesen.
00:11:43: Absolut – die studieren die Tonalität im Unternehmen.
00:11:47: Die wissen genau wer für Zahlungsfreigaben zuständig ist und wann große Rechnungen an Dienstleister rausgehen.
00:11:53: Und damit können Sie dann perfekte interne Fishingmails schreiben.
00:11:56: Richtig!
00:11:57: Da kommt dann eine E-Mail vom echten Account des Geschäftsführers mit dem echten Schreibstil als Antwort auf einen bestehenden E-Meilverlauf, da steht dann nur drin
00:12:07: Hey
00:12:08: bitte die Bankverbindung für die nächste Überweisung auf dieses neue Konto ändern – das schrillen doch bei keinem Mitarbeiter die Alarmglocken.
00:12:16: Wie denn auch?
00:12:17: Es kommt ja vom ekten Account Und erst viel später traten dann Trittbrettfahrer auf den Plan, die diese liegengelassenen Webshells übernommen haben um Systeme tatsächlich mit Runsomeware wie Deacryl zu verschlüsseln.
00:12:29: Was ja auch diesen großen Irrglauben von vielen kleinen und mittleren Unternehmen entlarvt.
00:12:34: Oft heißt es ja, warum sollte ein hochkomplexer Hacker unseren Handwerksbetrieb angreifen?
00:12:38: Wir haben doch keine Staatsgeheimnisse!
00:12:40: Ja das höre ich in der Praxis ständig... aber die harte Realität ist halt Der automatisierte Scanner, der das Internet durchkämmt, liest kein Impressum.
00:12:52: Ihnen interessiert nicht ob da ein DAX-Konzern einen Krankenhaus oder eine lokale Bäckerei antwortet?
00:12:57: Die
00:12:57: Logik ist rein wie näher – verwundbar oder nicht?
00:13:00: Genau!
00:13:01: Wenn das System angreifbar ist wird die Lücke ausgenutzt und die Webshell platziert.
00:13:06: Der Profit wird oft erst Monate später gemacht wenn diese Zugänge in Untergrundforen verkauft werden.
00:13:12: Okay…wenn wir diese Dimension betrachten wird auch klar, warum das bloße Einspielen von so einem Update fast schon fahrlässig ist.
00:13:20: Wenn die Angreifer bereits drin sind, Webshells platziert haben und mit gestohlenen Passwörtern rumlaufen... wie gewinnt man als Unternehmen überhaupt die Kontrolle zurück?
00:13:29: Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen!
00:13:31: Es geht um aktive Erkennung – sogenannte Thread Hunting.
00:13:35: Man wartet also nicht bis das Antivierenprogramm piept.
00:13:38: Genau….
00:13:39: man durchsucht das eigene Netzwerk proaktiv nach schmutzigen Fußabdrücken.
00:13:43: Wir suchen nach Indicators of Compromise, kurz IOCs.
00:13:48: Was kann das sein?
00:13:49: Aufstellige Dateinamen, ungewöhnliche Netzwerkverbindungen mitten in der Nacht oder Prozesse die von Dateien gestartet werden, die das gar nicht tun dürften?
00:13:59: Dafür ist eine akribische Lokanalyse unerlässlich
00:14:02: Und genau da sehe ich in der Praxis ein riesiges Problem.
00:14:05: Wenn ein Unternehmen die Server-Logs so konfiguriert hat, dass sie nach sagen wir mal sieben oder vierzehn Tagen überschrieben werden einfach um Speicherplatz zu sparen dann sind diese Spuren doch komplett weg!
00:14:16: Ja das ist der absolute Worst Case.
00:14:19: Also wenn der Einbruch im Januar passierte Microsoft aber erst im März warnt schaut die IT in leere Lock Dateien man isst historisch komplett blind
00:14:27: Und ohne historische Daten kann ein Incident-Responsexperte keine belastbaren Aussagen treffen.
00:14:33: Deshalb fordern Frameworks wie NIST ja auch nicht nur Prävention, es geht um Identify, Protect, Detect, Respond und Recover.
00:14:41: Viele sind halt meisterhaft im Protect also Firewalls und Updates ignorieren den Rest aber
00:14:47: Leider Ja.
00:14:48: Eine saubere Reaktion bei diesem Hack bedeutete damals, spezielle Microsoft-Tools wie das MSEAT-Tool zu nutzen um den Speicher nach aktiven Webshells zu durchsuchen.
00:14:59: Und betroffene Server vom Netz zu isolieren oder?
00:15:01: Ja
00:15:02: sofort!
00:15:02: Und ganz entscheidend da man davon ausgehen musste dass Passwörter aus dem Arbeitsspeicher gestohlen wurden mussten sämtliche Administratorenpasswörtern proaktiv zurückgesetzt werden.
00:15:12: Puh und wir dürfen eine gewaltige rechtliche Konsequenz nicht vergessen die oft unter den Tisch fällt, den Datenschutz.
00:15:20: Oh ja!
00:15:20: Die DSGVO
00:15:22: Genau.
00:15:22: ein Zugriff auf einen E-Mail-Server ist immer ein schwerwiegender Vorfall.
00:15:27: Wenn Angreifer wochenlang Zugriffs auf Mails hatten in den Kundendaten Personaldokumente oder Gesundheitsdaten lagen dann ist das massiv meldepflichtig.
00:15:37: Das reicht nicht nur den Server zu patchen
00:15:40: Absolut nicht, du musst den Behörden erklären was passiert ist und im schlimmsten Fall deinen Kunden mitteilen dass ihre sensibelsten Daten weg sind.
00:15:48: Der Reputationsschaden ist da oft viel viel höher als die eigentlichen IT-Kosten.
00:15:53: Dieser Fall zwingt uns wirklich dazu unsere ganze Philosophie von IT Sicherheit zu überdenken.
00:15:59: Die alte Idee vom Perimeter Schutz Wir bauen eine dicke Firewall Mauer Und drinnen sind alle sicher.
00:16:06: Die ist endgültig tot.
00:16:07: Bei der Angreifer durch den Mailserver direkt im sicheren Kern steht.
00:16:12: und diese Erkenntnis verändert auch unsere alltägliche Perspektive extrem Selbst wenn du als Mitarbeiter überhaupt nichts mit IT zu tun hast, das blinde Vertrauen in den internen Absender ist einfach gefährlich geworden.
00:16:24: Ja wie bei dem Beispiel vorhin mit der Buchhaltung Wenn der Kollege plötzlich per Mail nach einer dringenden Überweisung auf ein neues Konto fragt darf man sich nicht mehr darauf verlassen dass er das wirklich isst.
00:16:35: Ein kurzer Griff zum Telefon kann da echt Unternehmenswerte retten.
00:16:39: Und für die Führungsebene verschiebt sich die Verantwortung ja auch grundlegend.
00:16:44: Cyber-Sicherheit kann nicht mehr als lästige Technikaufgabe an die IT delegiert werden, es ist ein zentrales Geschäftsrisiko.
00:16:52: Absolut!
00:16:52: Wenn eine Lücke durch die Medien geht darf der Geschäftsführer nicht einfach fragen haben wir den Patch installiert
00:16:59: Sondern?
00:16:59: Viel
00:17:00: unangenehmere Frage lautet Haben wir forensische Beweise dafür dass in den Wochen vor dem Patch niemand in unserem Netzwerk war.
00:17:09: Diese Nuance entscheidet am Ende über das Überleben eines
00:17:12: Unternehmens.".
00:17:13: Das ist auch ein Weckruf an die Versicherungs- und Beraterbranche, ne?
00:17:17: Dass bloße Abhaken von irgendwelchen Compliance-Checklisten bietet eine völlig trügerische Sicherheit!
00:17:25: Es nützt halt gar nichts wenn auf dem Papier ein toller Patchmanagementprozess existiert – wenn die tatsächliche Notfallreife bei Null liegt….
00:17:33: Die Komplexität dieser Angriffe übersteigt oft schlichtweg die Kapazitäten einer ganz normalen mittelständischen IT-Abteilung.
00:17:40: Deren eigentlicher Job ist es ja, den Betrieb am Laufen zu
00:17:42: halten.".
00:17:43: Und wie dramatisch diese Überforderungen in der Praxis wirklich war – das illustriert eine echt bemerkenswerte Aktion aus dem April.
00:17:51: zwanzig einundzwanzig!
00:17:53: Da war die Lage in den USA so kritisch, weil aber Tausende Unternehmen diese winzigen Web shells auf ihren Servern schlichtweck nicht gefunden haben….
00:18:01: Die waren zwar gepatched, aber die Türen standen noch offen.
00:18:04: Genau!
00:18:05: Und die Situation war derart außer Kontrolle dass das amerikanische Justizministerium einschreiten musste.
00:18:11: Sie haben eine beispiellose richterliche Anordnung erwirkt, die es dem FBI erlaubt hat heimlich auf hunderte Betroffene aber komplett private Exchange-Server zuzugreifen.
00:18:22: Wahnsinn, oder?
00:18:22: Ja.
00:18:23: Die Bundespolizei drangen quasi in die Netzwerke der eigenen Wirtschaft ein um diese schädlichen Dateien proaktiv zu löschen einfach weil die Eigentümer völlig ahnungslos und heilos überfordert waren.
00:18:35: Ein ziemlicher Präzidenzfall
00:18:36: Total.
00:18:37: Und das ist auch ein Gedanke für dich zu mitnehmen, wie weit ist es mit unserer IT-Sicherheit eigentlich gekommen wenn staatliche Strafverfolgungsbehörden heimlich in unsere Netze einbrechen müssen um unsere Systeme für uns zu reparieren?
00:18:52: Nur weil wir komplett den Überblick darüber verloren haben wer sich eigentlich in unserer digitalen Poststelle herumtreibt.
00:18:59: Da sollte man echt mal drüber nachdenken.
00:19:02: Vielen Dank, dass du bei dieser Folge dabei warst.
00:19:04: Denk daran – Cyber-Sicherheit beginnt nicht erst beim großen Angriff sondern bei den kleinen Entscheidungen im Alltag!
00:19:10: Wenn dir die Folge gefallen hat abonnier den Podcast und teile ihn gerne mit Freunden, Kolleginnen und Kollegen.
00:19:15: Schreib uns auch gerne deine Gedanken zur Folge oder deine Ideen für eine nächste Episode.
00:19:19: Bis zur nächsten Folge bleib aufmerksam und digital sicher.
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